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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
Seite
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der Mensch selbst in sich schaffen nnd nmwandeln kann, mit demjenigcn,was, außer den Gränzen seiner Macht, mit ihm selbst nnd um ihn hervorgcht, so vereinbar, daß jedes wohlthütig auf das andere zurück, undbeides zu höherer allgemeiner Vollkommenheit znsammenwirkt?

Diese Fragen sind in den Gesprächen des Wirthcs mit seinen beidenFreunden, in dem Streite der beiden Eltern über die Unzufriedenheit desPaters mit dem Betragen des Sohnes, in der entschlossenen AcnßcrnngHermanns über den thätigcn Antheil an der allgemeinen Gefahr, endlichin der Gegcncinanderstellnng seiner Meinung nnd der des früheren Ver-lobten Dorotheens über die Zcitnmständc überhaupt, um nur dieser vor-züglichsten Stellen zu gedenken, nach einander aufgeworfen, oder beant-wortet.

Die Antwort selbst ist zugleich die richtigste für die philosophischePrüfung, die genügendste für das praktische sieben, nnd die tauglichste zudem dichterischen Gebrauch. Alle jene Dinge, zeigt uns der Dichter, sindvereinbar durch die Beibehaltung nnd Ausbildung unseres natürlichen nndindividuellen Charakters, dadurch daß man seinen geraden nnd gesundenSinn mit festem Mnth gegen alle äußeren Stürme behauptet, in jedemhöheren nnd besseren Eindruck offen erhält, aber jeden: Geist der Verwir-rung nnd Unruhe mit Macht widersteht. Alsdann bewahrt das Menschen-geschlecht seine reine Natur, aber bildet sie ans, alsdann folgt jeder seinerEigcnthümlichkeit, aber ans der allgemeinen Verschiedenheit geht Einheitim Ganzen hervor; alsdann erhalte» die äußeren Ereignisse nnd Zerrüt-tungen die Thätigkeit der Kräfte rege, aber der Mcnsch formt darum nichtweniger die Welt nach sich selbst; alsdann wächst, »litten unter den grö-ßesten Stürmen, ununterbrochen, und nur mit dem Wechsel größerer odergeringerer Ruhe und Zufriedenheit, die allgemeine Vollkommenheit, nndeiner nicht verächtlichen Generation folgt immer eine noch bessere nach.

Dies nun, die Menschheit selbst in ihren, zugleich durch ihre innereKraft nnd die äußere Bewegung bewirkten Fortschritten, hat unser Dichterunserer Einbildungskraft darznstellen verstanden. Er hat diesen: Stoffdadurch mehr dichterische Idealität gegeben, daß er zu den Charakterenlauter rein menschliche, durch keine Cnltnr verzärtelte, nnd doch der Enl-tnr nicht verschlossene Naturen gewählt, seinen Hauptpersonen aber sogaretwas Heroisches, etwas, das an Homers Helden erinnert, bcigcmischt hat;dadurch mehr sinnliches Leben, daß er die wichtigsten nnd größesten Be-gebenheiten in seine Handlung hincinzieht; dadurch endlich mehr Indien-