neu gleich freien Aufflug vcrstattcte, Nur das epische Gedicht stellt sich ans eineHöhe, Non welcher herab es seinen Gegenstand zugleich übersieht und be-herrscht; nur der epische Dichter faßt alles, was die Welt und die Mensch-heit enthält, mit Einem Blicke zusammen; nur er beschäftigt nicht bloßdie Wissbegierde, sondern die nachdenkende Betrachtung; nur er »neckt daherdie Thätigkeit der Kräfte, durch die wir über den Kreis der Wirklichkeithinansgehen. Eben darum aber, weil er, auch schon ohne ans seine künst-lerische Bestimmnng zn sehen, eine weitere Sphäre wählt, erfüllt er anchjene Bestimmnng besser, und stellt anch in künstlerischer Hinsicht eingrößeres und mehr nollendetes Ganzes ans.
I.XX.
Diese Gattung beschreibender Gedichte bat einen beschränkteren Zweck, als dieEpopöe, und steht ihr in dichterischer Vollendung nach.
Wer bloß erzählt, hat mehr oder weniger nur die Absicht, eine Be-gebenheit nor die Angen zn stellen; er verbindet damit allenfalls noch dieandere, entweder eine Lehre cinzuscharfen, und dann nähert sich die Er-zählung der Fabel, oder eine bestimmte Empfindung zu erregen, und dannist sic mehr lyrisch. Aber er geht ans nichts Allgemeines, ans nichts, wasdem Brenschen irgend das Ganze seiner Lage und seiner Bestimmnng vordie Seele führen könnte, am allerwenigsten darauf hinaus, ans eine dich-terische Weise den Zustand reiner Betrachtung zn wecken.
Dies nun finden wir anch in allen den Gedichten, von denen »vireben sprachen, bestätigt. In Hero und Leander wird die Geschichte zweierLiebenden erzählt, die Kühnheit, mit welcher der Geliebte die Gefahrender Nacht und des Meeres verachtet, um zn dem Gegenstände seiner Liebezu gelangen, die Grausamkeit des Schicksals, das ihn den Wellen zurBeute giebt. So viel Großes und Schönes anch in diesem Stoffe liegt,so erregt er schon unsere Empfindung zn stark, um uns die Ruhe zn er-lauben, welcher unser Geist immer bedarf, wenn er sich zn der Höhe derBetrachtung schwingen, wenn er einen vollkommenen allgemeinen llcbcrblickgewinnen soll. Ein solcher Stoff kann nicht anders als auf eine spielende,kalte, bloß zierliche, und daher immer kleinliche Manier, wie der gricchi-