dem Augenblicke, wo er erschallt, ganz nnd nngetheilt; sic wirken nicht ne-ben, sie wirken nach einander, das Resultat ist kein Ganzes, worin altediese Elemente zugleich vorhanden sind, cs ist etwas Acnes, bewirkt durcheine Reihe durch sie snccessiv hcrvorgebrachter Modificationen.
Die Epopöe beschäftigt zwar zugleich unsere Sinne nnd unsere Em-pfindung ; aber da sie uns Überhaupt nur zur Beschauung und Betrach-tung einladet, so läßt sie uns in verweilender nnd ruhiger Muße. DieTragödie reißt uns in ihren Gegenstand mit fort, zwingt »ns zur Theil-nahmc an ihrer Handlung selbst. Die erstere nährt nnd bereichert daher unserVermögen, unser Wesen im Ganzen; die letztere stählt vorzüglich die Fä-higkeit, dies Vermögen ans einen einzelnen Punkt zu richten, unsere Kraftzum Entschluß und zur That. Die Epopöe führt uns in die Welt hin-aus, in eine freie, heitere nnd sonnige Natur; die Tragödie drängt uns inuns selbst zurück, und mit demselben Schwerte, mit dein sie ihren Kno-ten zerhaut, trennt sic auch uns ans einen Augenblick von der Wirklichkeitund dem Leben, das sie uns überhaupt weniger zu lieben als mit Mathzu entbehren lehrt.
I.xv.
Worin beide Dichtungsartcn mit einander Übereinkommen? nnd worin sie voneinander abweichen?
Will man nunmehr den Unterschied beider Dichtnngsarten, nachdemman sich desselben im Allgemeinen nach der Erfahrung nnd den: wirklichenEindruck versichert hat, ans durchaus bestimmte Begriffe zurückführemso muß man zuerst auf die Entstehung jeder Dichtnugsart, darauf näm-lich, daß die dichterische Einbildungskraft einen Zustand bearbeitet, den siein dein Gcmüthc schon vorfindet, zurückgchen, nnd hernach genau dasjenigeabsondern, was beide, sowohl in der ihnen zum Grunde liegenden Stim-mung, als in ihren letzten Resultaten, mit einander gemein haben. Dennnicht darauf, daß die eine einseitiger oder weniger vermögend wäre, son-dern nur darauf, daß bei beiden in dein gleichen Umfang nnd der gleichenWirkung dieselben Bestandtheile anders gemischt sind, beruht ihr Unter-schied.
Mit einander gemein nun haben beide: