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Ferne, durch Ueberlieferung zuführt. Aber daß gerade diese Formen ihnenbeiden nothwcndig und wesentlich sind, dies ist cs, was ihren Charakterbestimmt. Denn in der That lassen sich alle Eigenschaften der Tragödieam leichtesten ans dem Begriff der lebendigen Gegenwart, in die sie ihrenStoff versetzt, ablcitcn, so wie sich ans dem der Erzählung alle diejenigenentwickeln lassen, welche das epische Gedicht von ihr unterscheiden. Daaber nicht gleich gut auch seiue übrigen Eigcnthümlichkeitcn daraus her-fließen, so war es besser, eine andere Methode des Raisouncments als diesezu erwählen.
I-XIV.
Die Tragödie erregt eine bestimmte Empfindung, und ist daher lyrisch.
Der Zustand einer bestimmten Empfindung ist also derjenige, answelchen der tragische Dichter hinarbcitet, und die Tragödie ist in sofernnur eine besondere, aber zugleich die höchste Gattrmg der lyrischen Poesie*):
*) Es wird befremdend scheinen, die Tragödie hier so dicht an die lyrischePoesie angcschlosse» zu sehen. Allein man erinnere sich, daß ich von ihr hier nurim Gegensatz gegen die epische rede, und daß der Weg meiner Untersuchung michgerade auf den Punkt führt, in welchem der Unterschied zwischen beiden am schärf-sten ins Auge fällt. Ich habe nämlich die DichtunzSartcn nicht sowohl nach ihreräußeren Form als nach der Stimmung unterschieden, die sic in dem Dichter vor-aussetzen und in dem Leser hervorbringcn. Nun ist der einfachste Unterschied zwi-schen der Epopöe und Tragödie unstreitig: die vergangene und die gegenwärtigeZeit. Jene erlaubt Klarheit, Freiheit, Gleichgültigkeit; diese bringt Erwartung,Ungeduld, pathologisches Interesse hervor. Daher drängt die letztere das Gemüthin sich selbst zurück, da die Epopöe den Menschen vielmehr in die Klarheit der Ge-stalten hcrausführt. Dadurch nun eignet sich die Tragödie offenbar der lyrischenGattung an. UcbrigcnS aber ist sie, als die Darstellung einer Handlung, eben sosehr als das Epos und vollkommen plastisch. Die Hanptgcsetzc derselben werdensogar nur aus ihrer plastischen Natur hcrgeleitet werden können; aber da sic alledurch den lyrischen Zweck, die Erregung der Empfindung, modificirt sein müssen,so werden die Gesetze der epischen Poesie gar keine Anwendung auf sie finden; dasic hingegen mit den Gesetzen der lyrischen Dichtung in durchgängiger Uebercin-stimmung stehen müssen. So lange man daher bloß epische und lyrische Poesieunterscheidet, muß die Tragödie wirklich mehr der letzteren als der elfteren bcigc-zählt werden. Unstreitig aber wäre es besser, alle Poesie in plastische und lyrische,und die ersterc wieder in epische und dramatische (unter der ich hier bloß die tra-gische verstehe, da die Komödie eine ganz eigene Erörterung fordert) abzutheilen.