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Epos, sondern sic blieb mich in ihrer höchsten Vollkommenheit noch immerin hohem Grndc episch, so wie die dichterische Stimmung der Alten sichüberhaupt auf eine sehr überwiegende Weise zu dieser Seite hinneigt.Untersucht man aber das Wesen der Tragödie zugleich tiefer und allge-meiner, und sicht man vorzüglich ans die Forderungen, welche dieselbe andie Natur und die Stimmung des Dichters macht; so überzeugt man sichleicht, daß nirgends sonst zwei sich übrigens ähnliche Dichtnngsartcn so weitanseinandcrgchcn, und sich so geradezu entgegengesetzt sind, das; das Wesender einen nie sichtbarer, als durch eine Vergleichung mit der anderen insAuge fällt. Diese Hoffnung, ein noch helleres Licht über die Natur derEpopöe zu verbreiten, ist cS, die uns cinladct, hier noch bei der Tragödieeinen Augenblick zu verweilen.
lieber den Begriff der Tragödie ist man ungleich früher, als überden der Epopöe, einig gewesen. Daß die tragische Handlung ans eine ein-zige Katastrophe hingeht, daß diese Katastrophe den Menschen im Kampfemit dem Schicksale zeigt, und in dem Zuschauer Furcht und Mitleid zuerregen bestimmt ist, sind fast allgemein angenommene Merkmale desselben.Offenbar war indcß der Begriff der Tragödie auch leichter zu entdeckenals der des epischen Gedichtes, da jener sich nur auf die Stimmung desGcmüthcs zu einer einzelnen Empfindung, dieser auf einen ganzen allge-meinen Zustand desselben gründet.
Denn darin liegt gerade der große und mächtige Unterschied, daß dieTragödie ans Einen Punkt versammelt, was der epische Dichter ans eineunendliche Fläche ansdchnt. Beide kommen im Begriff der Handlung,und folglich der Objcctivität, beide in den allgemeinen Forderungen derKunst mit einander überein; um also in ihren Resultaten so weit auS-ciuanderzugehcn, müssen sie in der ursprünglichen Gemüthsstimmnng ver-schieden sein, welche die Einbildungskraft nur dichterisch bearbeitet, undgerade da ist cs auch in der That, wo ihre contrastircnde Individualitätallein anzutrcffen ist.
Dem epischen Gedichte haben wir den Zustand der sinnlichen Be-trachtung, also einen objcctiven, ruhigen und mehr intellcctncllen, zngeeig-nct. Jndeß ist es natürlich, daß darum in diesem Zustande die Empfin-dung nicht schweigt; daß sic vielmehr in ihrer größcsten Energie zugleichmit rege wird. Und wie sollte sic es nicht? da so große und uns so naheliegende Gegenstände, als daS Schicksal und die Menschheit, alsdann vor unsdastehen, und zugleich unser Blick so erhellt und gestärkt ist, daß er sic in