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I.XIl.
Definition der (spopöe.
Wir glcmbm jetzt die Stimmung, ans welcher die Epopöe entsteht,und die sie hervorbringt, hinlänglich geschildert zn hoben; cd bleibt unsjetzt nnr noch übrig, daraus eine objcctive Definition derselben znsammcn-znsctzcn.
Aber dorin gerode liegt eine nicht geringe Schwierigkeit. Zwar isteS offenbar s daß die Epopöe die dichterische Darstellung einer Handlungdurch Erzählung ist, auch könnte man noch leicht die Bestimmung hinzu-fügen, daß die Handlung als ein sinnliches, für sich selbst bestehendes, vollallem außer sich unabhängiges Ganzes geschildert sein muß, wenn diesnicht von selbst schon in de» Worten: dichterische Darstellung, enthalten wäre.
Aber immer fehlt noch gerade dasjenige darin, was die epische Stim-mung eigcnthümlich charaktcrisirt, das rein Darstellende, die Totalität, dieFreiheit Non dem Uebergcwicht einer einzelnen, alleinhcrrschendcn Empfin-dung. Alle diese Eigenschaften sind anfS höchste nnr dunkel in den, einzi-gen Ausdrücke: Erzählung, enthalten; und selbst wenn man sich damit be-gnügen wollte, so ist daS epische Gedicht dadurch wohl Non der Idylle undder Tragödie, noch gar nicht aber von allen übrigen poetischen Erzählun-gen abgesondert.
Jenen eigentlich epischen Charakter durch objcctive nähere Bestim-mungen der epischen Handlung und der epischen Erzählung anszndrücken,scheint unmöglich. Denn die letztere hat in dieser Hinsicht nicht, was sicheinzeln als eine objcctive Eigenschaft angebcn ließe; und bei der crstercnkommt eS nicht sowohl ans die Art (da wir bald sehen werden, daß manjede, sogar eine entschieden tragische, benutzen kann), als allein ans die Be-handlung an. ES bleibt also nichts übrig, als die eigcnthümlichc snbjec-tivc Wirkung ebenso in die Definition des epischen Gedichtes mit anfzn-nchmcn, als man dieselbe in der Definition der Tragödie in der Erregungder Furcht und dcS Mitleids schon lange zn sehen gewohnt ist.
Hiernach könnte man daher daS epische Gedicht als eine solche dich-terische Darstellung einer Handlung durch Erzählung definircn, welche(nicht bestimmt, einseitig eine gewisse Empfindung zn erregen) unser Ge-müth in den Znstand der lebendigsten und ackgemeinsten sinnlichen Be-trachtung versetzt.