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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
Seite
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ganzen Individualität der wirklichen Verhältnisse, die ihn umgeben, alle Hanpt-forincn menschlichen Daseins rein und wahr in sich ausgenommen hat, undans dem sich wiederum alle, wie anS Einem Mittelpunkte, ablcitcn lassen.

Auch konnte ein solches Product nur ans der Reife eines erfahrungs-reichen Gebens hcrvorgehcn; was so geschildert ist, muß mit eigenen Angengesehen sein, und was hierbei vorzüglich Bewunderung erregt, ist, mitdieser Reife zugleich diese jugendliche Frische der Phantasie, dies Leben inder Darstellung, diese Zartheit und Lieblichkeit in der Schilderung vonEmpfindungen gepaart anzntrcffcn.

IZ.

gwicfachc Pcmthcilung ciiics KnnstwcclcS.

Bon der zwiefachen Art der Bcnrthcilnng, welcher man jedes Kunst-werk unterwerfen sollte, haben wir nunmehr die eine vollendet; cs bleibtuns jetzt noch die andere übrig.

Jedes Kunstwerk nämlich kann, wie der Künstler selbst, der cS her-vorbringt, als ein eigenes Individuum angesehen werden. Es ist einlebendiges Ganzes, cs hat eine eigene innere Kraft, ein Lcbcnsprincip,durch welches cs eine bestimmte Wirkung äußert. So haben nur Her-mann und Dorothea bis hichcr betrachtet. Ohne uns noch in die Erörterungseiner einzelnen Thcile cinznlassen, ohne cS festgesetzten Regeln anznpasscn,haben wir bloß die Wirkung geschildert, die cs hervorbringt, die Ursachenderselben ausgesucht, und dadurch nur seine Natur im Allgemeinen,ihrem Grade und ihrer Gattung nach, bestimmt.

Aber außer dieser seiner inneren Natur gehört jedes Gedicht auchnoch, seiner äußeren Beschaffenheit nach, zu einer besonderen Gattung vonKunstwerken, und hat in dieser Hinsicht besonderen Forderungen Genügezu leisten, besondere Regeln zu befolgen. Mit diesen Regeln haben wirdaher das nnscrigc noch jetzt zu vergleichen. Denn nur beides znsammcn-gcnommen, sein innerer Charakter und seine äußere Regelmäßigkeit, be-stimmt die Bortrefflichkcit desselben.

Die crstcrc Art der Bcnrthcilnng kann man bei Kunstwerken, ineinem vorzüglicheren Sinne dieses Wortes, die ästhetische nennen, da sieden eigentlichen Kiuistcharaktcr ihres Gegenstandes, seinen echt künstlcri-