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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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scheu Werth, scin Berhältniß zum Ideale bestimmt; die letztere, die tech-nische, da sie denselben nicht mit einem Ideal, das nie ganz erreicht wer-den kann, sondern mit Regeln und Gesetzen vergleicht, die streng und voll-kommen erfüllt werden müssen.

Daß inan beide zn selten mit einander verbindet, ist großentheilS aneiner gewissen ästhetischen Einseitigkeit Schuld. Denn die mechanischenKöpfe, welche nur für Regeln Sinn habe», vernachlässigen immer denursprünglichen Gehalt an Originalität und Kraft, und die heftigen undregellosen setzen sich beständig über die nothwcndigc Achtung der Technikhinaus.

IUI.

Epische Dichtung. Unbestimmtheit dcS gewöhnlichen Begriffs derselben.

Daß Hermann und Dorothea überhaupt genommen zur Gattungder epischen Gedichte gehört, ist so offenbar, daß wir cs auch schon durchdas ganze bisherige Raisonncmcnt hindurch stillschweigend vorausgesetzthaben. Niemand kann ablängnen, daß es die Darstellung einer Handlungund zwar die einer Handlung von ihrem Anfänge bis zu ihrem Ende ist.Aber von einem epischen Gedichte bis zur eigentlichen Epopcc ist noch bei-nahe eben so weit als von einem bloß tragischen zur Tragödie, und wirkommen daher erst jetzt zn der genaueren Untersuchung, in wiefern esauch diesen letzteren stolzeren Namen verdient?

WaS ästhetische Benrthcilnngcn in der That schwierig macht, ist derMangel einer vollständigen, gar nicht (das wäre zn viel verlangt) allgc-mcingültigen, aber nur conscgnentcn und mit den gerechten Ansprücheneines echten Kunstsinnes znsammcnstimmcndcn Aesthctik, ans deren Gesetzeman sich mit wenigen Worten beziehen könnte. So lange man eine solcheentbehrt, befindet man sich immer in der unangenehmen Verlegenheit, dieeinzelne Bcurthcilnng durch die Entwickelung theoretischer Grundsätze un-terbrechen z» müssen, und so müssen auch wir hier der Theorie dcS epischenGedichtes eine eigene vorläufige Erörterung widmen. Um uns aber durchdiese Abschweifung nicht zn weit von unserem Gegenstände zn entfernen,werden wir uns begnügen, bloß den Begriff desselben zn bestimmen, undauS demselben nur seine höchsten und daraus zunächst herfließendcn Gesetzeabznleitcn.