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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
Seite
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Gedichten ähnlicher Art, behauptet. Wir wrrsc» jetzt noch eunnal einenflüchtigen Blick auf den Weg, den wir znrückgelegt haben.

Zweierlei Vorzüge sind es, durch deren innige Berbindnng die Ma-nier unseres Dichters ihre unlängbare Eigcnthümlichkeit erhält:

1. Die Einfachheit, mit der er immer blaß bei demjenigen stehenzu bleiben scheint, was die Kunst schlechterdings und nothwendig leistenmuß, sobald sie nur überhaupt Knust zu heißen verdienen soll;

2. Die Stärke der Wirkung, die er dadurch hervorbringt, daß erseiner Poesie so viel Gehalt und Seele giebt, als nur immer einer sinn-lichen Darstellung fähig ist.

Seinen Stoff zu einem reinen Erzengniß der dichterischen, und zwarder bildenden Einbildungskraft zu machen, ist sein ganzes und einzigesBestreben. Daher die feste Znsammenfügnng aller Theile znni Ganzen;die Größe und Einfachheit der Züge; die objeetive, rein darstellende Manier, und eben daher der Mangel alles fremden Schmuckes, aller nichtunmittelbar durch die Sache selbst bewirkten Erhebung, alles überflüssigenEolorits.

Er nimmt aber seinen Stoff immer so, wie er einen überwiegendgroßen Gehalt für den inneren Sinn hat und doch zugleich für den äuße-ren vollkommen gültig ist. Bon dem Menschen und der Natur malt erdie Seele, aber sie immer gestaltet und lebendig. Daher seine Senti-mentalität, das mehr sanfte als glänzende Glicht seiner Gemälde, ihregrößere Wirkung auf den Geist und das Herz.

Durch beides, dadurch, daß er die Natur da ansnimmt, wo ihrZusammenhang am festesten, die Bcrwandtschaft ihrer Elemente am sicht-barsten ist (in ihrer geistigen Gestalt), und daß er sie darin ganz objeetivbehandelt, wird er im eminenten Bcrstandc bildend, im eminenten Ver-stande nach Bestimmtheit der Umrisse, Einheit des Ganzen und Eben-maß der Theile strebend. Denn er geht mit aller seiner Kraft bloßdarauf ans, die Formen eines großen Ideals anfzustellcn, eines Ideals,das dem Geiste der Menschheit und der "Natur (der im Grunde nur einerund ebenderselbe ist) gleich sei.

Von den Mustern dcS Altcrthnms unterscheidet er sich durch einengeringeren Gehalt für die Sinne und die Phmitasic, aber durch einenvielfacheren und feineren für den Geist und die Empfindung; und wenner dies mehr oder weniger mit allen neueren Dichtern gemein hat, sozeichnet er sich von diesen wieder dadurch aus, daß er in dieser Verschic-