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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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unendlichen Meere, auf cincin so znbereiteten Gründe, und lagern sichwieder ans die klare, nirgends nmgränzte, in allen ihren Pnnktcn leichtbewegliche Fläche. Dadurch unterscheidet er sich von den neueren Dich,lern anderer Nationen, die durchaus mehr Leidenschaft als Seele malen,mehr Heftigkeit und Feuer als Innigkeit und Wärme besitzen, und da-durch tritt er wieder dein schönen Gleichgewicht, der stillen Harmonie derAlten näher.

Dieser zwiefache Gegensatz vollendet, man kann cs mit stolzerFreude behaupten, seinen deutschen Charakter. Denn eine sichtbare Nei-gung zur abgesonderten Beschäftigung des Geistes und des Herzens, undein stärkerer Hang nach Wahrheit und Innigkeit in beiden, als nach indie Angen fallendem Glanz und leidenschaftlicher Heftigkeit, sind Hanpt-ziigc der Eigcnthümlichkcit unserer Nation, welche ihre besten philosophi-schen und dichterischen Prodnete unverkennbar an sich tragen, und durchdie, wenn das Genie des Künstlers hinzukommt, seine Werke zugleicheinen reichhaltigeren Stoff und eine größere innere Festigkeit erlangen.

Wenn wir indes; hier diesem Gedichte und der neueren Poesie über-haupt etwas znschreibcn, was sie vor der älteren anszeichnet; so ist dieskein Vorzug, der das Wesen der Kunst angeht. In diesem bleiben dieAlten immer die Meister, und werden nie auch nur erreicht, viel wenigernbertroffcn werden. Das cigenthnmliche Verdienst, von dem wir hierreden, ist nur, die Bahn eröffnet zu haben, den ganzen Reichthnm anGedanken und Empfindnugsgehalt der neueren Zeit in das echt künstleri-sche Gewand zu kleiden, das man sonst nur bei ihnen antrifft.

XI-VII.

Ginsluß dcr gcschildcrtcii Eiacnthüoilichkclt dcS Gedichtes auf die Tetalwirtunz

desselben.

Ans Darstellung, ans Darstellung durch die Einbildungskraft, ansDarstellung des ganzen Menschen in seiner äußeren Gestalt und seineminneren Wesen, geht unser Dichter ans, und diesen Zweck erreicht er ineinem bewundernswürdigen Grade. Er ist nie bemüht, unsere Phantasieabsichtlich weder zu ergötzen, noch zu spannen, noch überhaupt auf diese