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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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mm angefangen, zwei so verschiedenartige Dinge so eng mit einander znverknüpfen?

Was wir mit Recht Verfeinerung nennen, kann an sich nicht derRatnr widersprechen; nichts ist so natürlich, als was rein menschlich ist,und cs ist der Menschheit wesentlich eingcpflanzt, sich von der bloß sinn-lichen Ansicht der Dinge zn einer höheren zn erheben. Wenn es der Vcr-fcincrnng also an Natur zn mangeln scheint, so ist cS nur, weil wirin ihr nicht gleich die Realität wahrnehmcn, die uns an dieser ins Augefällt, weil ihr nicht geradezu ein sinnlicher Gegenstand entspricht, weilsie mehr das Werk der Energie einzelner menschlicher Kräfte, vielleichtnur in einzelnen Stimmungen, als der menschlichen Natur überhauptscheint, und weil wir nicht sogleich abschen, wie der Weg, ans den sicführt, mit dem allgemeinen Wege der Natur und der Menschheit Zusam-mentreffen, zn demselben Ziele gelangen kann. Es kommt daher nurdarauf an, ihr diese Realität zn verschaffen, sic wirklich als Natur, nurals eine höhere und wahrhaft verfeinerte, aufznstcllen.

Wir haben im Vorigen (XXXVIII.) gesehen, daß unser Dichtereinen rein beobachtenden und bestimmt bildenden Sinn besitzt; wir habengefunden, daß einem solchen äußeren ein ähnlicher innerer entsprechenmuß, der dieselbe Wahrheit und Festigkeit in dem inneren Eharaktcr sucht,welche jener in der äußeren Natur wahrnimmt. Daß derselbe nun diesenSinn mit jener Verfeinerung, jener hohen Sentimentalität verbindet,darauf beruht seine Eigenthümlichkeit, darauf das Geheimnis;, daß er unseinen echt modernen Charakter zeigt, ohne daß wir darum in ihm dasschöne Gepräge antiker Einfachheit und Wahrheit vermissen.

Zwar scheint in dieser Verbindung auf den ersten Anblick etwasWidersprechendes zn liegen. Jener Sinn sucht die großen »nd HellenBiasscn der Ratnr, also im Menschen, was der Gattung, der ganzenMenschheit angehört. Diese sentimentale Stimmung steigt in die dunklenTiefen deS GcmüthcS hinab, verweilt innerhalb der engen Gränzen eineskleinen Gebietes, und sogar vorzugsweise bei dem, was nur Einzelneneigen ist. Aber cs kommt nur darauf an, dies letztere groß genug znbehandeln, um diesen Widerspruch sogleich wieder anfznhcbcn, und diesist cs, was unseren Dichter vor anderen anSzcichnct.

Wo er den Zustand des Gcmüthcs darlegt (und eigentlich ist erüberall damit beschäftigt), wo er auch den ungewöhnlichsten und leiden-schaftlichsten schildert, verfährt er dennoch, gerade wie bei der Beschrci-