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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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Richtung Hütte. Diese Richtung über ist durchaus unverkennbar. Wiewir im Porigen die Schilderung Dorotheens vom Anfänge bis zumEnde dcS Gedichtes verfolgten, stießen wir eigentlich nur immer ans andereund andere Entwickelungen ihres Charakters; und so ist cS überall nichtsanderes als das innere und geistige Wesen der verschiedenen Personen,daö überall, nur immer lebendig und immer sinnlich gestaltet vor unsda steht. Es sind nicht so sehr ihre Handlungen, an und für sich ge-nommen, cs sind mehr ihre Charaktere, die, aber immer bloß in diesenHandlungen, uns anzichen, uns ans die verschiedenen Formen der Mensch-heit überhaupt, ans das, was sie unterscheidet, und wieder zu einem Gan-zen znsammenschließt, aber immer mit der reinen Thätigkeit unserer Ein-bildungskraft, immer vollkommen künstlerisch und bildend gestimmt, über-führt.

Wenn sich daher unser Dichter der vollkommenen Objectivität derAlten, der ganzen Bestimmtheit ihrer Formen bemcistert hat, so kleideter in dies Gewand einen Gehalt, welcher ihnen so wenig eigen ist, daßsie uns nicht einmal veranlassen, denselben bei ihnen zu suchen.

XI.IV.

Reicher Gchalt dieses Gedichtes für de» Geist and die Gmpfindnng. —Eizenthümliche Behandlung desselben.

Je mehr wir unsere intcllectuellen Kräfte auf die Betrachtung undBearbeitung der Welt außer uns auwenden, je mehr wir unsere geistigeNatur ans sic übertragen, desto mehr vervielfältigen wir unsere Bezie-hungen ans dieselbe. Die Gegenstände um uns her erscheinen uns nurals das, was unser Verstand in ihnen unterscheidet; selbst unsere Sinnebedürfen erst seiner Leitung, mit der Erweiterung unserer Einsicht wächstdaher auch das Gebiet derselben; in der That ist die Natur mit jedemJahrhundert reicher an Individuen für uns geworden, und wenn derUngebildete in einer ganzen Menge von Objecten nur eine einförmigeund ungcschiedenc Masse erblickt, so unterscheidet der kenntnißvollc Beob-achter in einem einzigen Punkte noch eine ganze Welt von Erscheinungen.

So wie diese Thätigkeit unserer geistigen Kräfte das sinnliche Ge-biet der Natur erweitert, eben, so bereichert sic innerhalb unseres Gcinn-