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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
Seite
88
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Begebenheiten zn entziehen, in die gleich verborgenen Tiefen unseres Ge-müthcs zu versenken. Indes; verliert cs durch die künstlerische Behandlung,durch die Leichtigkeit der Darstellung, durch die Vergleichung, die wir sonatürlich z. B. zwischen einer solchen Vorbedeutung und den Weissagun-gen im Homer und den Alten anstcllcu, von dem feierlichen Ernst derWirklichkeit und gewinnt eine gewisse liebliche und zierliche Anmuth.

XIUI.

Dci UnNrschüd düscS (NdiäMS >.wn iun Werken der Allen offenbart sich anch ineinem >l»n cigcnlhntnüchen Vorzug.

Wer Hermann und Dorothea in Stunden liest, in welchen seinHerz der Wirkung des Dichters offen ist, der muß nnlüngbar crkcuucu,daß darin noch ein anderer Geist als iu den Werken der Alten herrscht.Er wird denselben nicht gerade größer und besser, aber verschieden und,nur in einer anderen Art, gleich trefflich finden; er wird sich von ihmnicht mächtiger ungezogen, aber inniger durchdrungen fühlen.

Wenn er den geringeren sinnlichen Reichthum, von dem wir imVorigen redeten, nicht als ci-ncn störenden Mangel empfindet, so wird erdaran erkennen, daß der Dichter sich auf einem anderen Gebiete als dieAlten befindet, daß er (so viel dies nämlich die allgemeine Gleichheitdes Dichterbernfes erlaubt) von anderen Punkten ansgeht, und einem an-deren Ziele nachstrebt, und daß er eben dadurch auch ihn nothwendig ineine andere Sphäre versetzt.

Und dies ist in der That anch der Fall. Wenn die Alten mehrdie Natur in ihrer sinnlichen Pracht und Größe malen, so legt er mehrdas Innere der Menschheit dar. Beide Gegenstände haben eine nnwidcr-sprechlichc Größe, der crstcre ist außerdem dem Wesen der Kunst mehrangemessen; aber wenn dieselbe anch in dem letzteren ihre ganze Schön-heit erhält, so besitzt dies für uns, die wir mehr in Gedanken und Em-pfindungen als in Anschauungen und Handlungen leben, vielleicht einennoch eigcnthümlichercn Reiz.

Was unser Gcmüth beständig beschäftigt, den Gedanken und dasGefühl, finden wir hier auf eine wunderbare große Weise behandelt und