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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
Seite
77
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tiv genug, um seinem Gegenstände, mich dann noch, wenn er ihn ganzaus der Wirklichkeit heranshebt, die Form derselben zu erhalten (die Form,in welcher allein er durchaus sinnlich angeschaut werden kann); gesetz-mäßig genug, um in der unruhigsten inneren Bewegung doch noch denBedingungen getreu zu bleiben, welchen alles wirkliche Dasein unterworfenist, und mächtig genug, um in seine eigene Begeisterung auch andere mitfortznreißen so entflammt seine Einbildungskraft (und dies ist das un-begreifliche Geheimnis der Kunst) von selbst die seines Zuhörers, nichtbloß überhaupt auch schöpferisch, sondern cs gerade auf dieselbe Weise zusein. Indem er Allen, die sich ihm nähern, denselben Zauber mittheilt,der ihn selbst fesselt, hat er es eigentlich nur für sich und mit seinemGegenstände zu thun, ihn nur aus sich zu erzeugen und auf sich wirkenzu lassen.

Dadurch gelangt er zu der reinen und hohen Objectivität, die wirnun stnfenweis beschrieben haben; dadurch nöthigt er unsere Einbildungs-kraft, nicht bloß überhaupt bildend zu verfahren, nicht bloß überhauptsinnliche Gestalten hcrvorznrnfeu, sondern ununterbrochen fort allein ander Erzeugung des Einen Gegenstandes zu arbeiten, der ihn selbst begei-stert, und sich mit ihm nur durch die vollendete Darstellung dieser EinenForm zu befriedigen.

XXXVIll.

Schlichte Einfalt und natürliche Wahrheit unseres Gedichtes.

Die erste Eigenschaft, die wir bis jetzt vorzugsweise an dem Goethe-scheu Gedichte gewahr wurden, war seine reine und vollendete Objecti-vität; wir fügen nunmehr eine zweite hinzu, seine schichte Einfalt und seinenatürliche Wahrheit.

Beide sind gewissermaßen mit einander verwandt. Die erstere be-ruht ans einem rein beobachtenden und bestimmt bildenden Sinn, auf derFähigkeit, die Natur in aller ihrer Wahrheit anfznfassen, und in derganzen Bestimmtheit ihrer Formen, der ganzen Festigkeit ihres Zusammen-hanges wieder darznstellcn. Einem solchen äußeren Sinne muß ein ähn-licher innerer entsprechen. So wie jener sich in der äußeren Natur vor-zugsweise an ihrer Gesetzmäßigkeit und ihrer Realität erfreut; so muß