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XXXVII.
Kurze Vergleichung dieser Schilderung mit dem im Vorigen Gesagten. —Reine Otjectioität derselben — so wie des ganzen Gedichtes.
Wer nach dieser Schilderung Dorotheens, der wir mit Fleiß Schrittfür Schritt gefolgt sind, ihr Bild in den verschiedenen Momenten, die wirbezeichnet hoben, zurückruft, und sich dann an dasjenige erinnert, was wirdiesem Gedichte eigenthümlich nannten, der wird sich nicht enthalten kön-nen, unsere Behauptung aufs pünktlichste und genaueste wahr zu finden.
Der Dichter hat die Gestalt des Mädchens nirgends eigentlich be-schrieben; er hat sic selbst vor uns hingcstcllt. Er hat nie einzelne Theilefür sich heransgehobcn, sondern immer nur ans die Schilderung des Ganzenhingearbeitct; er hat nirgends überflüssige Farben anfgctragen, sondern immernur die Umrisse der Formen gezeichnet ; er hat nie gesucht, Biel und Man-nichfaltiges, sondern immer nur Eins und ein Ganzes darznstellcn. Da-durch hat er die Einbildungskraft seines Lesers gcnöthigt, sich ganz in denGegenstand zu versenken, und ihr weder Freiheit noch Zeit gelassen, sichmit etwas anderem, oder mit sich selbst zu beschäftigen; sic gezwungen, den-selben durchaus rein und allein ans sich selbst zu erzeugen.
Um dies Letztere in vollem Maße zu erreichen, hat er ihr den Gradund die Farbe ihrer Stimmung von Augenblick zu Augenblick vorgeschric-ben, und doch dabei verstanden, weder sich selbst je von seinem Stoff zuentfernen, noch auch sie je von demselben ab in sich zurückznführcn. Dennstatt wie der lyrische Dichter da, wo er Schilderungen braucht, zu thnnpflegt, unmittelbar Empfindungen zn erregen, die auf die Schilderungselbst zurückwirkcn, stimmt er seinen Leser vielmehr immer nur durch an-dere Bilder, imitier durch Gestalten und Handlungen, die er jenen an dieSeite stellt oder vor ihnen vorausgchen läßt, und indem er auf dieseWeise durchaus objeetiv bleibt, verwebt er alle einzelnen Theile seiner Eom-position aufs festeste in einander.
Die Kunst, wodurch er der Einbildungskraft seines Lesers diese voll-kommene Objcctivität und Gesetzmäßigkeit einflößt, und doch eigentlichmehr sie zn stimmen, als seinen Gegenstand ängstlich und Zug für Zugzn beschreiben beschäftigt ist, besteht bloß darin, seine eigene zu erwärmenund zu begeistern. Sobald seine Natur dichterisch genug ist, d. h. objec-