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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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Größe und der Farbe malen, welche die Stimmung der Einbildungskraft indein jedesmaligen Augenblicke fordert. Alle drei sind Non den herrlichstenNaturbeschreibungen begleitet; erst strahlt noch die Sonne hier und daans dem Wolkcnschleier, in den sic verhüllt ist, hervor, und wirft mitglühenden Blicken eine ahnungsvolle Beleuchtung über das Feld; dannin dem Augenblicke, wo sic ruhig unter dem Birnbaum sitzen, ist cs Nacht,aber der Blond glänzt voll vom Himmel herunter, und in Massen geschie-den liegen Lichter, hell wie der Tag, und Schatten dnnkclcr Nächte; end-lich überblickt auch dieser sic nur noch mit schwankenden Lichtern, undläßt sie zuletzt, vom Gewitter umhüllt, in völligem Dunkel.

In diesein letzten Momente, wo die Gefühle der beiden Liebenden,die überhaupt im Menschen so gern und leicht die Farbe des Tages undder Natur annchmcn, den äußersten Gipfel erreicht haben; Hermann mitqualvoller Ungeduld der Entscheidung seines Schicksals und der Auflösungder Verwirrung, die er angerichtet hat, entgegensicht; Dorothea durch dieStille der Natur um sie her, und das freundliche Gespräch mit demJüngling, den sie liebt, ihre sehnsuchtsvollsten Hoffnungen belebt fühlt,kommt alles zugleich zusammen, auch das Gcmüth des LeserS aufs höchstezu spannen und in seinem Innersten zu bewegen. Man sicht nicht mehrHermann und Dorotheen allein, man erblickt in ihnen die männliche undweibliche Größe selbst, in ihren vollsten Gefühlen, von den höchsten Kräf-ten gehalten.

XXXVI.

Eintritt dcr beiden Liebenden in dnö Zimmer der Eltern. DorotheensBenehmen bis zum Schluffe des Gedichtes. Anruf dcr Muse.

So wie in dem letzten Augenblicke ans den Stufen des Weinbergsdas Dunkel der Nacht die beiden Liebenden umgicbt, so liegt auch überihren Gefühlen selbst eine dumpfe Schwermuth verbreitet. Der Moment,in welchem sic, der eigentlichen Entwickelung zucilcnd, in das Hans dcrEltern treten, muß sie in lichtvoller Klarheit zeigen; und dieser kommtnun heran.

Eine solche Klarheit Plötzlich um sie zu gießen, macht der Dichtereine Panse, und ändert den Ton seines Gesanges. Daß der Eindruck