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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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Allein wenn diese Stelle dazu bestimmt wäre, das Bild, das wirnns schon bis dcchin von ihrem Binthc nnd ihrer Stärke gemocht hoben,noch beträchtlich zu vergrößern, so hätte sich der Dichter in seiner Berechnnnng betrogen. Er Hot sie nns onf eine ganz ondcrc, bei weitem sinnli-chere nnd poetischere Weise in die Einbildungskraft einzuprügen vcrstondcn,als doß eine einzelne Handlung, nnd die wir überdies nnr ans demMunde eines Dritten vernehmen, dazu noch viel hinznzusetzen im Stondewäre.

Dennoch ist dieser Zng onf keine Weise mlißig. Es mußte etwasdo sein, wodurch Dorothea auch ganz nnd ollem für sich ans der Masseder übrigen Figuren heransgchoben wurde; wir mußten sie sehen vor derHanpthandlnng des Gedichtes, vor ihrer Auswanderung Handeln nndwirken sehen. Ihre Bereinigung mit Hermann hätte nicht dos Vebcn, dieFestigkeit nnd Schönheit vor der Phantasie gewinnen können, wenn mannnr Eine, nicht beide Figuren, auch vorher nnd einzeln gesehen hätte; eshätte nnr Hermann, nicht Hermann und Dorothea, heißen dürfen. Essind zwei verschiedene Elemente, zwei verschiedene Mmschcngattungen, zweieigene Welten, die mit einander in Verbindung treten sollen: die, in derHermann, nnd die, in der Dorothea einheimisch ist. Uns in die letzterezn versetzen, dienen alle Scencn unter der Gemeine; und da Dorothea indiesen die Hauptrolle spielt, so mußte auch ihr in derselben etwas cigcn-thümlich nnd besonders angehören. Dazu hat der Dichter hauptsächlichdrei Züge gewählt, von denen der eine ihren Math, der andere die Pflegeihres alten Verwandten, ihre hülsrcichc Güte zeigt, nnd der dritte ihrefrühere Verlobung mit dem unglücklichen Beschützer der Freiheit, die anhöhere Ideen, eine andere Cnltur nnd wichtigere Begebenheiten anschlicßt,nnd sic nns nun auch noch durch ein eigenes schwärmerisches Interesse,das sie nns cinflößt, wichtiger macht.

So unleugbar es indcß auch nothwendig war, Dorotheen durch einencigenthümlichcn Zng hier heranszuheben, so ist cs doch eine andere Frage,ob der Dichter hierin den rechten gewählt hat? Wenigstens müssenwir offenherzig gestehen, daß, so oft wir noch diese Stelle lasen, siennS jedesmal den gleichförmigen Strom zn unterbrechen schien, in demsonst das ganze übrige Gedicht hinflicßt. Es ist nicht, daß diese Hand-lung, auch außerdem daß sic in den Begebenheiten unserer Zeit wirklichgewesen ist, nicht auch die vollkommenste poetische Wahrheit hätte; nichtdaß eine falsche, und dem Geiste dieses Gedichtes ganz und gar zuwider-