und Iwthwmdig ist, was unsere Natur unmittelbar fordert, das sprichtein einziger Augenblick ans. Ein solcher ist jetzt für Hcrmcnm gekommen.
Aber bei ihm kann man (und dies ist der dritte Punkt) noch sicherersein; was er begehrt, das ist ihm gemäß, und das hält er fest.
Wenn cs nnS gelungen ist, den Leser durch die bisherigen Betrach-tungen ans den rechten Standpunkt zu fuhren, den Charakter dieses Ge-dichtes treu und wahr aufznfasscn; so muß derselbe bereits fühlen, daßunser Dichter nie unbestimmt nach dem Großen, Starken, Erhabenen,sondern immer nach dem Vollkommenen und Vollendeten strebt, daß ernicht ans die Erreichung eines hohen Grades, sondern des AbsolutenanSgeht. Dies beweist, mehr als eine andere, die hier ansgehobencStelle.
Ein anderer Dichter hätte sich begnügt, die Trefflichkeit des Mäd-chens in der bloßen Stärke der Wirkung zu schildern, die cs ans denJüngling gemacht hat, und dies Mittel wäre ans keine Weise verwerflichgewesen. Der nnserige thnt zugleich weniger und mehr. Er scheint an-fangs wenig darum bekümmert, den Eindruck zu malen, den Hermannerfahren hat; er läßt ihn in seiner Erzählung keinen Augenblick ans sei-nem ruhigen, einfachen, beschreibenden Tone heransgchcn: aber er führtdie Umstände so, daß er unwiderstehlich darthnt, daß Dorothea ganz undgar, und nur sie, dem Wesen des Jünglings angemessen ist, daß sic seinwerden muß, und daß er ans seiner ganzen Natur hcransgchobcn ist,wenn er sie nicht besitzt.
Wie viele Vorthcilc gewinnt er nun ans einmal! Alles, wodurchHermanns Charakter überhaupt geschildert ist, wirkt nun ans diesen einzi-gen Moment, und dieser wieder darauf zurück. Dorothea erscheint nichtbloß in einer unbestimmten Größe, in einer Wirkung, ans der sich derGegenstand, der sic hcrvorgcbracht hat, immer nur schwankend erkennenläßt; sic steht in den bestimmtesten Umrissen da. Denn wir kennen Her-mann, und sic ist das Mädchen, das ein solcher Jüngling bedarf. Da-durch ist sic zugleich gerade in der Gattung von Trefflichkeit gezeichnet,die am besten zu dem Geiste des ganzen Gedichtes paßt: als eine reine,kräftige, sichere Natur, — als die zuverlässige Gattin Hermanns. Milwie starken und lebendigen Farben der Dichter die Leidenschaft Hermannsgemalt hätte, so würde er nie das erreicht haben, waS er jetzt erlangt;wenigstens hätte er es nicht als epischer Dichter erreicht. Denn wennder lyrische das, was über alle Wirklichkeit erhaben ist, als das letzte