66
haben droht, die uns wcrth geworden ist, sind zusammengenommen daskräftigste Mittel, ihr Wesen und ihre Gestalt selbst (da beides hier immerHand in Hand geht) mächtig hcransznhebcn. Es wäre überflüssig, dieseinzeln ansznführcn. Man erlaube mir nur auch hier, an die im Vori-gen gemachte Bemerkung zu erinnern, daß der Dichter, wie überall, soauch hier, um der höchsten und poetischsten Wirkung gewiß zu sein, niedas Glänzendste und Kühnste, sondern immer daS Kräftigste und Gehalt-vollste ansgcwählt hat.
Hermann ist auf einmal ans allen gewohnten Geleisen seines Lebenshcransgcworfen; daS Erste, nach welchem er saßt, als er den engen Kreisseines bisherigen Lebens verläßt, ist auch das Höchste: das Schicksal sei-nes Vaterlandes, seiner Nation, der Welt; cS ist ihm zuwider, nochferner unthätig zu sein, er will wirken; er fühlt, daß cs vergeblich seinwird, aber sein Leben soll auch vergebens dahiugehcn.
Eine natürliche Wirkung der heftigen Leidenschaft. Sobald dasbisherige Leben einmal nnschmackhaft geworden ist, kann eine kräftige Na-tur nichts anderes, als das gerade Gcgenthcil wollen; sie darf nicht ein-mal ihrer Thätigkcit einen anderen, als einen unglücklichen Erfolg wün-schen. Sich vergeblich anfznrcibcn, ist das Streben aller Verzweiflung.Sogar der Selbstmörder, der den Faden seines Lebens in diesem Zustandeabschneidet, thnt cs nicht, um eines Daseins los zu werden, dessen ermüde ist, sondern um Kräfte, die etwas wirken könnten, und die dasSchicksal min einmal nicht nach seiner Weise wirken lassen will, mm auchabsichtlich umsonst wegznwerfen. Solche Verzweiflung aber erregt bloßdie Unmöglichkeit, dasjenige zu erreichen, was uns durchaus gemäß ist.Sobald dies nicht der Fall ist, gicbt uns das Entbehren dessen, was wirumsonst zu besitzen wünschen, wohl eine andere Nichtnng, aber schlendertuns nicht in das gerade Gcgenthcil hin. Dies ist Ein Punkt.
Ein zweiter ist folgender. Hermann geht mit seiner Mutter znmVater, dessen Einwilligung zur Verbindung mit Dorotheen zu suchen.Wie er die Worte ausgesprochen hat:
die gebt mir, Vater; mein Herz hatRein und sicher gewühlt;
erkennt auch der Geistliche, daß diese Worte in einem Augenblickegesagt sind, der besser als alle Bcrathnng über das Leben und das Ge-schick des Menschen entscheidet. Was wir mir wünschen, worüber wirrathschlagen, dessen können nur noch entbehren. Was uns unentbehrlich