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wo cr sich in ähnlichen Stimmungen, in ähnlichen Lagen befand; werwird sich nicht erinnern, wie alsdann ein Gebirge, das sich am äußerstenHorizont Hinsicht, den Blick einladet, von Gipfel zu Gipfel zu schweifen,wie das bewegte Herz eine unwiderstehliche Sehnsucht befällt, auch jenseitshinüberznschanen, auch jenseits und drüben zu sein, als wäre eine andereund bessere Welt durch diese Mauer von uns geschieden!
Aber es ist nur wenig, wenn der Dichter solche Stimmungen undEmpfindungen in uns weckt: seine hohe und meisterhafte Kunst bestehtdarin, mitten ans ihnen und durch sic den Gegenstand in seiner lebendi-gen Wirklichkeit hervorgehcn zu lassen; und gerade dies hat der. unserigchier erreicht. Statt daß wir Hermann verlassen, und uns Erinnerungenhingebcn sollten, ist er cs allein, der vor unseren Augen gegenwärtig ist;aber zugleich schwellen jene Erinnerungen unseren Busen, erfüllen sieunser Herz; wir sind uns ihrer nicht einzeln bewußt, aber ihre Wirkungist in uns lebendig, und trägt sich auf den Gegenstand über.
So kommt es schlechterdings nur darauf an, welche Richtung derDichter unserer Einbildungskraft zuerst gegeben, welchen Ton er ange-stimmt hat. Ist diese Richtung einmal entschieden objcctiv, geht sie ge-rade darauf hin, Gestalten zu malen, nicht Gefühle zu erwecken, so mager unser Inneres erschüttern, rühren, anfrcgcn, so stark und mächtig esnur in seiner Kraft steht; alles wirkt doch nur dahin, die Welt, die eruns zeichnet, lebendiger vor uns hinzustellcn, uns noch tiefer und mit nochmehr entschiedener Selbstvergesscnheit in dieselbe zu versenken.
XXXII.
Die Wirkung des Mädchens auf den Jüngling ist nicht in einer unbestimmtenGröße, sondern in dem bestimmten Begriff der vollkommenen Angemessenheitbeider Naturen gezeichnet.
Wenn wir hier einen Augenblick bei dem Eindruck verweilten, denHermanns Schilderung macht, so entfernten wir uns darum nicht vonDorotheen. Denn dieser Eindruck, die heftige Bewegung, die sic in demHerzen des Jünglings hervorgcbracht hat, und die furchtbaren Folgen,die dies einen Augenblick ans die Ruhe und das Glück einer Familie zu
V. v. Humboldt, über Goetbeö Hcnimmi und Dovotbca. 5