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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
Seite
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gegen verstehen sic ihren Figuren eine andere Größe, eine andere Würde,nnd wahrhaft kolossalische Umrisse durch die Art zu geben, wie sic diesel-ben erscheinen lassen, und wie sie durch dies Erscheinen auf die Einbil-dungskraft einwirkcn.

Welche einzelne Scene man etwa ans der Jliade nnd Odyssee hcr-aushcben mag, so findet man diese Bemerkung bestätigt. Man nehmez. B. Glankus und Diomedes Waffentansch. Auf welchem Boden tretenschon diese beiden Figuren auf, von welchen Gegenständen sind sie umge-ben! Ein mit Kämpfern ungefülltes Schlachtfeld, das wechselnde Glückbeider Rationen, der zwiefache Anthcil der Götter an dem Ausgange desKampfes, das Schicksal Trojas, dessen künftiger Untergang durch die ganzeAnlage des Gedichtes vorherverkündigt, und auch in diesem einzelnenStücke, in dem Eontrast der Eharakterc des edleren, sanfteren, beinaheschwcrmüthigen lchciers und des wilderen und rauheren Argivcrs, nnd indein Tone ihrer Reden unverkennbar gezeichnet ist. Dann diese Charak-tere selbst, echte und reine Hcldcnnatnrcn, stolz und tapfer, sogar wild undgrausam, aber einfach, fest in einmal geschlossenen Verbindungen, vollEhrfurcht für ihre Väter, für die Gastfreundschaft und die Götter, welchedieselbe beschützen.

Wie sic die Verbindungen ihrer Väter erzählen, ist man plötzlich inalle ihre Empfindungen versetzt, weil diese Empfindungen insgesammt nurrein menschliche sind; inan fühlt den muthigcu Stolz des Jünglings, densein Vater ermahnt hat, feines Heldengcschlechtcs nicht unwürdig zu sein;man thcilt gern Diomedes Ehrfurcht für die Gastgeschenke, die seine Ahn-herren ihm hinterlasscn haben, nnd für das Andenken eines Vaters, densein Heldenruf ihm, noch ehe er ihn kannte, schon entriß. Bei der Ge-schichte der beiden Stämme thut man einen tiefen Blick in das LooS derSterblichen und die Macht des Schicksals; Prötus leichtgläubiger Arg-wohn, Bellerophons menschenscheue Schwermnth, Tydcns und der SiebenUntergang vor Theben!

Von allen diesen Bildern auf einmal gerührt, wer begleitet sic nichtda, wenn sie nun, nach Handschlag nnd Waffentausch, sich wieder in dasGetümmel der Schlacht versenken, mit wchmüthiger Rührung? wer istnicht von dem tiefen Gefühle für die Größe und den Edelmnth, aber zu-gleich für die Ohnmacht mkd Verblendung des Menschen durchdrungen,durch die er nur als ein leichtes Spiclwcrk in der Hand des übermächtigenSchicksals erscheint! Welche Farben aber leiht diese Stimmung, in