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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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lleberlegnng geformt. Dies aber kann nicht anders als durch dasselbeGenie geschehen, das ihn erzeugt, und so muß seiner Einbildungskraft dieseGesetzmäßigkeit, durch welche sic ihren Idealen die vollkommenste Natur-ähnlichkeit gicbt, so ursprünglich cinvcrlcibt sein, daß alle ihre Geburtensic von selbst und unmittelbar an sich tragen. Durch diese strenge Ge-setzmäßigkeit nun wird der letztere endlich tiefer und wohlthätiger ans dasGcmnth und die Gesinnungen, sowie der ersterc durch seine heitere undanmuthigc Leichtigkeit ans die Stimmung und das Temperament cin-wirken.

XXVI.

Einfluß dieser Verschiedenheit beschreibender Gedichte auf die Wahl der VerSart.

Diese beiden Gattungen von Gedichten sind so sehr von einander ge-schieden, daß jede ihren eigenen Bersban erfordert, und dies die eigentlicheGränzlinic ist, wo in beschreibenden Gedichten der Reim und der griechischeVerS gebraucht werden muß. Denn der Reim giebt immer ein Colorit,das sich für sich allein dem Auge vorwaltend anfdrängt, da hingegen derHexameter, so wie jedes alte Silbcnmaß, seinen noch reicheren und glän-zenderen Farbcnschleier immer nur als ein bescheidenes Gewand um dieSchönheit der Formen gießt.

XXVII.

Z» welcher jener beiden Gattungen unser Dichter gehört? beweist er durch dieZeichnung seiner Figuren.

Es bedarf nicht erst eines Beweises, welchen von diesen beiden Cha-rakteren Hermann und Dorothea an sich trägt.

Der Dichter hat es nie mit etwas anderem, als mit seinem Gegen-stände zu thun; sein Gang ist lebendig und kräftig, aber ruhig, gleichför-mig und von immer schnellerer steigender Bewegung gegen das Ende desGedichtes; der Leser lebt allein in der Begebenheit, die er vor sich sieht, erist, wie der Dichter, klar und gleichförmig gestimmt, aber zuletzt tief ge-rührt und von den höchsten Gefühlen durchdrungen. Nicht seine Sinne,