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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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dcrcs als das, was die Thätigkcit der Einbildungskraft ohne einen be-stimmten, geformten Gegenstand beschäftigt, und was sie selbst wiederumfordert, so oft sic sich in einein solchen Zustande befindet. Wenn ihreThätigkcit einmal rege ist, und sie doch nicht, bildend, ein bestimmtes Ob-stet erzeugt, so kann sie nichts, als gleichsam ihre eigene Kraft immerwieder von neuem Hervorbringen; und ob sie gleich auch so immer einEtwas haben muß, woran sic dieselbe übt, so wird dicS, als unbedeutendund immer wechselnd, verschwinden, und nur der Grad und der Rhythmusihrer eigenen Thätigkcit sichtbar bleiben.

Daß dieser Begriff des Colorits in der That der richtige ist, sehenwir, wenn wir ihn da anfsnchcn, wo er ursprünglich hingehört, in derMalerei. Die Farbe, wenn sie nicht bloß die Form besser heranShcbt(und wir reden hier vom Colorit nur in sofern, als dasselbe sich allein und

Ohne also auf die Erregung lebhafter oder gar heftiger Empfindungen rechnen zudürfen, muß man sich hier allein an Harmonie und Lieblichkeit begnügen.

Wenn die Phantasie bei der Einwirkung der Kunst auf dieselbe ganz in Thä-tiglcit gesetzt werden soll, so muß immer zugleich objectiv und snbjeetiv auf siccingcwirkt werde». Man muß einen Gegenstand vor ihr bilden und ihre Kraftstimmen. Darum sagten wir, daß jede Kunst ihr Colorit habe, weil wir dasMittel, wodurch jede dies letztere auSrichtct, mit keinem schicklicheren Namen zubenennen wußten, da in der That die Farbe cs am vollkommensten und amreinsten zu bewirken vermag. In der Musik ist dies Eolorit eine gewisse schwerzu bestimmende Behandlung der Töne; in der Bildhauerkunst, in welcher die Formsonst so ausschließlich herrscht, scheint cs diejenige Bearbeitung des Materials,durch welche der harte und todtc Stein für das Auge Weichheit und Leben erhält.Denn obgleich dies nur durch Form hcrvorgcbracht werden kann, so wirkt cs dochnicht als Form, da auch das Gefühl (auf das wir jedes Wert der Scnlptur selbstdann, wenn wir cs bloß ansehcn, doch immer beziehen) in einer doppelten Ver-wandtschaft mit den intcllcctuellcn und sinnlichen Kräften steht. Wie mächtig derUnterschied zwischen der Musik und der Bildhauerkunst in Absicht auf die Objekti-vität beider ist, sicht man daran, daß, da in der letzteren das, was in ihr das Co-lorit ausmacht, nur allein durch Form bewirkt wird, dagegen in der elfteren sichdasjenige, was eigentlich einen Gegenstand schildert, oder eine bestimmte Empfin-dung ausdrückt (und also dem entspricht, was in der darstellenden Kunst die Formist) kaum noch nur überhaupt von demjenigen unterscheiden läßt, was, ohne dieszu thnn, bloß die Phantasie beschäftigt oder das Ohr ergötzt. Die Malerei stehtin diesem Punkte zwischen beiden in der Mitte; denn in ihr ist Form und Coloritam meisten und beinahe vollkommen von einander geschieden.

Doch muß man bei dieser ganzen Materie nie vergessen, daß hier nur zumBchnfc der Untersuchung getrennt wird, was in der Wirklichkeit schlechterdings un-zertrennlich verbunden ist.