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XXIV.
Cvlorit.
Denn was wir Colorit*) nennen (und cs giebt in jeder Kunst et-was diesem Begriffe Entsprechendes), ist, wenn wir es allgemein und phi-losophisch in seinen Gründen und seiner Wirkung untersuchen, nichts an-
Der Begriff des Kolorits ist hier in einem eingeschränkten Sinne ge-braucht. tim dem Mißverständnis vorzubeugcn, das unfehlbar entstehen müßte,wenn man ihm einen allgemeineren unterlegte, sei cs erlaubt, noch folgende Er-läuterung hinzuzufügcn. Die Malerei (von der man natürlich, so oft von Koloritdie Rede ist, immer ausgchen muß) hat ein zwiefaches Mittel, ihren Gegenstanddarzustellen: den Umriß und die Farbe. Die letztere dient unmittelbar, dieAchnlichkeit des Bildes auch von dieser Seite zu vermehren; aber insofern wirkt sienur auf eine untergeordnete Weise. Ihre hauptsächlichste Wirkung bringt sie durchdie Stimmung hervor, in welche sie unsere Phantasie bloß für sich, und unabhän-gig von aller Natnrnachahmung versetzt. Denn geht man (wie bei ästhetischenUntersuchungen häufiger geschehen sollte) auf die Natur derjenigen Sinne zurück,welche die Kunst zunächst beschäftigt, so findet man, daß das Auge sich in einerdoppelten Beziehung auf der einen Seite auf unsere höheren intellektuellen, aufder anderen auf die niedrigeren sinnlichen Kräfte befindet, und daß seine Ver-wandtschaft mit den elfteren durch den Eindruck der Gestalt, die mit den letzterendurch den Eindruck der Farbe entsteht. Daher ist die bloße Gestalt (wenn sic ohnealle Farbe, also auch ohne Licht und Schatten, möglich wäre) kalt und trocken, diebloße Farbe hingegen (auch durchaus formlos) so frisch, lebendig und sinnlich, daßsic allein Empfindungen zu wecken im Stande ist. In sofern nun der Malersich dieser beiden Mittel zugleich bedient, schlägt er zugleich einen objekiven undsubjcctivcn Weg ein, sich unserer Einbildungskraft zu bcmeistcrn; und diese beidenWege sind es, die in der That immer zugleich betreten werden müssen, wenn manzu einer wahrhaft künstlerischen Wirkung gelangen will. Denn obgleich beide, derUmriß sowohl als die Farbe, die Natur des Gegenstandes (der beide mit einanderverbindet) nachzuahmcn dienen, so arbeitet der erstcre dennoch mehr darauf hin, unsdenselben zu zeigen, die letztere mehr uns selbst lebendig genug zu stimmen, ihnvollkommen zu sehen. Jndeß kommen immer beide darin überein, nur ihn alleindarzustellen. Wird aber das Gleichgewicht zwischen beiden gestört und dem Cvlo-rit ein Vorzug eingcräumt, so tritt alsdann der Fall ein, von dem oben die Redeist. In diesem nun bleiben dem Künstler nur noch zwei Wege cinzuschlagcn übrig,entweder bloß die Sinne zu ergötzen, oder die Phantasie auf eine gleichsam rhyth-mische Weise zu stimmen. Die Möglichkeit, auf diese letzte Art zu wirken, wirdaber immer nur äußerst beschränkt sein, da die Natur des Gegenstandes hier keinefortschreitende Reihe (keinen steigenden oder fallenden Rhythmus), sondern nur einein sich selbst zurückkchrcnde erlaubt, und diese noch dazu auf Einmal gegeben ist.