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XXIII.
Ariost rechnet mehr auf den Effect; Homer wirkt stärker durch die reine Form.
Wenn Homer sich strenger an das Ganze hält, Ariosi mehr deneinzelnen Theil hcranshebt, so mnß der crstcre mehr ans die Form, derletztere mehr ans den Effect rechnen, den in der Verbindung eine Figurmit der anderen macht. Das aber ist cs, was man in der DichtkunstLicht und Schatten nennen kann, der Grad, um den eine Gestalt dadurchhervor- oder znrücktritt, daß eine andere neben ihr sicht. Dies, verbun-den mit dem Tone, welchen der Dichter seiner Sprache gicbt, mit der eigcn-thiimlichcn Wichtigkeit, die er demselben für sich cinräumt, macht seinColorit aus.
Homer min arbeitet überall auf die Form; erst in den einzelnenFiguren, in ihrer Ruhe und ihrer Bewegung, dann in der Verbindungderselben, wo er eine an die andere, oder mehrere zusammen, oder endlichalle in Ein Ganzes verknüpft. Darum läßt sich die ganze Ilias oderdie ganze Odyssee am Ende wie eine einzige Statue, oder, wenn dieseVergleichung zn kühn ist, wenigstens wie eine einzige Gruppe betrachten.Bei diesem Verfahren ist das Colorit natürlich untergeordnet; cs richtetsich gleichfalls nach der Form, und dient nur, diese mehr hcrausznheben.Ganz anders hingegen wirken Farbe, Licht und Schatten da, wo die ein-zelnen Figuren mehr allein und getrennt erscheinen. Denn da gehörensic wesentlich zn den Vcrbindnngsmittcln des Ganzen; und überhauptbraucht jedes Gemälde immer um so viel mehr Colorit, als cs an Ein-heit und Harmonie der Formen verliert. So wie die Einbildungskraftnicht ganz in ihren Gegenstand versenkt ist, so erhält ihre eigene Energiedas Uebcrgewicht; und so wie der Dichter nicht so durch denselben beschäf-tigt ist, daß er jede Kraft anfbieten mnß, um ihn nur einfach hinznstellen,so erhöht sich unvermerkt und an sich selbst sein Ton, und wird reicherund Prächtiger, als sein Stoff.