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keit überhaupt, ankam? ob ihm mehr daran lag, daß sic gerade nur diesesoder jenes Bild, oder bloß überhaupt in einem gewissen Tone und Rhyth-mus Bilder erzeugte?
Man sieht leicht, daß hier bloß die Frage ist: ob er mehr bildend,oder mehr stimmend (musikalisch) wirkt? und daß dieser Unterschied sichbloß daraus ergicbt, daß man die allgemeine Eintheilungsformel, nachwelcher sich alles entweder auf das Erzeugte, das Object, oder auf dasErzeugende, das Snbjcct, bezieht, auf diesen einzelnen Fall, die verschie-dene Möglichkeit der dichterischen Darstellung einer Handlung, anwendct.
Um diese zwiefache Gattung unmittelbar in einem Beispiele wicdcr-zncrkenncn, vergleiche man den Ariost und den Homer. Dies Beispielwird gerade darum vorzüglich beweisend sein, weil es kann: möglich seindürfte, bei gleich großer Verschiedenheit, eine größere Achnlichkeit zwischenzwei durch so viele Jahrhunderte getrennten Dichtern anzutresfcn. Wolebt, seit Horner, in einem anderen Dichter eine solche Fülle und ein solcherNeichthum von Gestalten, wo eine solche nie stillstehendc, sich immer wie-der aus sich selbst erzeugende Bewegung, wo strömt ein so unversicglicherQuell ewig neuer und überraschender Erfindungen, als in den GesängenAriosts? Welcher andere neuere Dichter erscheint nicht, von diesen Seitenmit ihm verglichen, arm und dürftig, ernst und feierlich, trocken und schwer?Wenn die höchste Bewegung und die lebendigste Sinnlichkeit das Wesender Dichtkunst ansmachen, und niemand anstehcn wird, dein Homer hierinden Rang einznränmen; so gebührt dem Italienischen Sänger unstreitiggleich die erste Stelle nach ihm.
Und doch welche ungeheure Verschiedenheit; wie stark gezeichnet vor-züglich der eben geschilderte Unterschied! Im Homer tritt immer derGegenstand ans, und der Sänger verschwindet. Achill und Agamemnon,Patroklus und Hektar stehen vor uns da; wir sehen sie handeln und wir-ken, und vergessen, welche Macht sic aus dem Reiche der Schatten in dieselebendige Wirklichkeit heranfgerufen hat. Im Ariost sind die handelndenPersonen uns nicht weniger gegenwärtig; aber wir verlieren auch denDichter nicht ans dem Auge, er bleibt immer zugleich mit auf der Bühne,er ist es, der sie uns zeigt, ihre Reden erzählt, ihre Handlungen beschreibt.Im Homer entsteht Begebenheit ans Begebenheit, alles hängt fest miteinander zusammen, und erzeugt sich selbst eins ans dem anderen. Ariostknüpft seine Fäden nicht nur lockerer zusammen, sondern wenn sie auchnoch so fest verbunden wären, so zerreißt er sie selbst wie in mnthwilligem
W. v. H u m boldt, über Goethes Hermann nnd Dorothea. 4