scheinen, je nachdem sic sich mehr auf die eine oder die andere Seite; hinncigt.
i In beiden Fällen hat sic die Schwierigkeiten der Sprache zu übcr-
; winden, und sich der Vorzüge zu erfreuen, die sic gerade dadurch genießt,
^ daß diese, und daher der Gedanke, das Organ ist, durch das sie wirkt;
allein wenn cs die inneren Formen sind, die sic zu ihrem Objecte wählt,dann findet sie in der Sprache einen ganz eigenen Schatz neuer und vor-her unbekannter Mittel. Denn nunmehr ist diese der einzige Schlüsselzu dem Gegenstände selbst; die Phantasie, die sonst gewöhnlich den Sin-nen folgt, muß sich nun an die Vernunft anschließcn; und wenn schonans der einen Seite der Geist durch die Größe und den Gehalt des Ge-genstandes hingerissen wird, so muß noch außerdem auch die Kunst einennoch höheren und rascheren Aufflug nehmen, um auch noch in diesem Ge-biete die Einbildungskraft allein herrschend zu erhalten, zumal wenn sicnicht Empfindungen, sondern Ideen behandelt, und also mehr intcllcctncllals sentimental ist.
Diese Gattung, in der uns das Beispiel der Alten fast gänzlichverläßt, ist, sie mag nun rein oder vermischt mit anderen erscheinen, dereigentliche Gipfel der neueren Poesie, und kann ihr eigenthümlich genanntwerden. Je entschiedener sich dieselbe jedoch von der anderen trennt, destoweiter entfernt sic sich auch von dein leichtesten und einfachsten Begriffeder Kunst.
Jeder echte Dichter nun wird dem einen der beiden hier geschildertenCharaktere eigcnthümlichcr angehören, mehr geneigt sein, entweder die in-dividuelle Natur der Sprache für die Kunst, oder die der Kunst durch dieSprache geltend zu machen, dem gestaltlosen, todtcn Gedanken Form undLeben mitzntheilen, oder die lebendige Wirklichkeit bildlich und anschaulichvor die Einbildungskraft hinznstcllcn. In beiden Fällen ist er gleichgroßer Dichter; aber in dem crstercn leistet er mehr etwas, das nur die! Dichtkunst und keine ihrer Schwestern vermag, zeigt er mehr ihr innerstes
! cigcnthümlichstes Wesen, wandelt er mehr einen einsamen, von keinen: an-
^ deren betretenen Weg, da er in dein letztere:: mehr einen gemeinschaftlichenPfad mit allen übrigen Künsten, nur auf seine Weise, verfolgt. In jenen:kann er daher in einen: noch engeren Sinne des Wortes Dichter heißen,als in diesen:.
i In dieser letzteren engeren Bedeutung nun Dichter zu sein, ist der
Gattung, zu welcher Hermann und Dorothea gehört, geradezu entgegen-