2 «
wären? Wie den Helden zu malen, der ans dein Schlachtfcldc, mittennnter Leichnamen, den Tod gebeut, und das Verderben planmäßig anord-net, ohne den ruhigen Denker, der zwischen seinen einsamen Wänden, fernvon aller ausübenden Thütigkeit und den Ereignissen des Tages fremd,nur Wahrheiten nachspäht, die vielleicht erst kommenden Jahrhundertensegenvollc Früchte versprechen, oder den ruhigen Pflüger, der, nur für dasBedürfnis; des Tages besorgt, nur ans den Wechsel der sich immer vonneuem abrollenden Jahreszeiten beschränkt, bloß der künftigen Ernte ge-denkt, zugleich vor die Seele zu rufen?
Ein Zustand führt immer von selbst die übrigen herbei, durch welchenur gemeinschaftlich der einzelne Mensch oder die ganze Menschheit beste-hen kann; und dies ist eben der große Gewinnst, den die künstlerisch ge-stimmte Einbildungskraft auch dem moralischen Menschen gewährt, daßsie ihn gewissermaßen alle Epochen des Lebens zu vereinigen, die verflossenenoch fortzusetzen und die nächstfolgende schon anznfangen lehrt, ohne daßer darum doch der gegenwärtigen weniger eigenthümlich angchört.
XI.
Nebcrslcht des ganzen Weges, welchen der Dichter von seinem ursprünglichenZwecke bis z» seinem höchsten Ziele znrücklcgt.
In keiner Art menschlicher Tüchtigkeit ist es möglich das Höchste zuerreichen, als nur innerhalb der Schranken ihrer Gattung. Nur dadurch,daß er dasjenige vollkommen geltend macht, was er ist, erreicht der Menschüberhaupt, und der Einzelne insbesondere, seine letzte allgemeine und in-dividuelle Bestimmung. Nicht anders der Dichter. Sein Geschäft istes, die Einbildungskraft herrschend und productiv zu machen, und indemer dies Geschäft vollendet, gelangt er zu Idealen und erreicht er Totalität.
Dies glanben wir im Borigcn bewiesen zu haben; und wenn derWeg, den wir gingen, lang und unserem nächsten Geschäfte fremd schien,so wühlten wir ihn dennoch nicht ohne Ursache. Nichts ist bei Benrthci-lnngen jeder Art von Arbeiten so wichtig, als, die Forderungen streng vorAugen zu haben, deren genaue Erfüllung man mit Recht von ihnen er-warten kann. Zwar ist cs nicht ungewöhnlich, vorzüglich ästhetischeWerke mit unbestimmten Lobsprüchen zu erheben, sie mit anderen ihrer