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Gattung zu vergleichen, und ihnen gleichsam übcrverdienstliche Tugendenbeiznlcgem Nichts desto weniger bleibt die einzig richtige Art der Be-nrtheitnng immer die, dieselben allein mit dem, was sie sein sollen, mitden Grundsätzen der Acsthetik und dem Ideal der Kunst zu vergleichen, zuentscheiden, ob sie ihre Pflicht erfüllen, den gerechten und nothwendigenAnsprüchen der Kritik ein Genüge leisten. Ihr absoluter, nicht ihr rela-tiver Werth soll bestimmt werden. Bliebe man diesem Wege unverbrüch-lich getreu, so würden die Beiwörter des Schönen, des Erhabenen, desBortrefflichen sich von selbst in die des verständig Gedachten, planmäßigAngeordneten, wahr Geschilderten, richtig Empfundenen, Poetisch Dar-gestellten verwandeln; man würde sich begnügen, einfach zu entscheiden,mit welchem Rechte das Werk den Namen eines Gedichtes überhaupt undden der besonderen Gattung führt, der es bcigczählt wird.
Freilich verträgt nicht jedes Gedicht eine solche Beurtheilnng; aberunverzeihlich würde cs sein, eine andere bei demjenigen anzuwcnden, welchesso große nothwendigc und wesentliche Tugenden besitzt, und so sehr allesfremden und erborgten Schmuckes entbehrt.
Wir sind bei der Entwickelung des Wesens der Kunst bisher mehreinem raisonnircnden Gange gefolgt, und haben uns nur selten ans dieErfahrung berufen. Um uns indes; von den ausgestellten Behauptungenauch noch auf eine sinnliche Weise zu überzeugen, dürfen wir nur dieWirkung in uns zurückrnfen, welche jedes vollendete Kunstwerk immer inuns hcrvorbringt: die Stimmung, in die uns der Bclvedcrischc Apolloder eine Stelle des Homer versetzt.
Alle Fäden menschlicher Gefühle sind alsdann in uns aufgezogen;wir empfinden die menschliche Natur zugleich in allen ihren Berührungs-punkten; nie gehen wir leiser von einer Empfindung zu einer anderen über;nie ist jede, auch sonst heftige Regung so milde und so gehalten; zugleichaber spiegelt sich alsdann in uns die Welt, die uns umgiebt, und setztdieselbe Stimmung in uns fort. Denn die Botlendnug und Harmonie,die wir vor uns erblicken, gehen in nnS selbst über, und offenbarensich durch Ruhe und Rührung — welche beide man vielleicht als die all-gemeinste Wirkung jedes großen Kunstwerkes ansehcn darf: durch Ruhe,weil in diesem Zustande nichts Störendes, nichts Misslingendes stntt-finden kann; durch Rührung, weil cs immer das Herz mit Wchmnth er-greift, so oft wir in eine gewisse Tiefe der "Natur oder der Menschheitblicken. Beide zusammen beweisen, daß wir die Menschheit und das