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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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X.

Einfluß dcs Identische» in der Darstellung auf die Totalität.

Ist dic Seclc einmal künstlerisch gestimmt, hat ihr der Dichter ein-mal jene zarte Empfänglichkeit, jene leise Erregbarkeit mitgetheitt, sohängt eS allein von seiner Willkür ab, wie viele einzelne Objecte er ihrwirklich vorführcn, wie viele einzelne Empfindungen er in ihr rege machenwill. Dies bestimmt die Natur seiner Gattung, dic Wahl seines Stoffes,endlich seine Individualität. Daß cs ihm nicht schwer werden kann, ansjeglichem Stoff eine große Mannichsaltigkeit von Figuren zu entwickeln,ist schon im Porigen gezeigt worden; aber es ist auch noch mehr. DicArt, wie er auch nur eine einzige dichterisch aufstellcn muß, bereitet dicPhantasie von selbst zu, nicht bloß mehrere, sondern gerade so viele an-dere an dieselbe anznknüpfen, als mit dieser einen geschlossenen Kreis bilden.

Dadurch, daß die Einbildungskraft dasAchnliche mit dcm Achulichcnverknüpft, und selbst zwischen das Unähnliche noch verbindende Mittel-glieder einschicbt, bringt sie nur Mannichsaltigkeit, nicht Totalität, hervor.Zn dieser letzteren muß sie und ihr Object dichterisch gestimmt und zube-reitct sein, und dies ist der Fall, wenn der Dichter identische Figurenanfstellt.

Zu beiden;, zu dem Identischen und zur Totalität, erhebt er sichnur in dem Gebiete der Einbildungskraft; nur nachdem er das beschränkteund getrennte Dasein der Wirklichkeit, wie durch einen Machtsprnch, auf-gehoben hat. Beides muß daher in genauer Verbindung mit einanderstehen. Auch beruht das Identische offenbar ans der Möglichkeit der To-tatität; denn das Unterscheidende dcs Ideals besteht gerade darin, daß cssich alles, aber alles nur ans seine Weise, ancignet. Und wiederumbcgränzt das Identische die Totalität, da es dic Menge der einzelnen Bc-standtheilc immer in Blassen znsammcnschlicßt, die, ans Einem Punktebetrachtet, ein Ganzes für den Verstand oder dic Anschauung bilden.

Wir nennen ein Ideal die Darstellung einer Idee in einem Indi-viduum. Wir fordern daher von demselben eine Eigcnthümlichkeit ohneEinseitigkeit. Eine solche aber erhalten wir nicht anders, als indem wiralles, was einem gewissen Charakter (der jeder idealischcn Figur immerzum Grunde liegen muß) wesentlich ist, znsammcnnehmcn; alles hingegen,