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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
Seite
19
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I»

ligc Ucbereinknnft mit ihrem Borbilde erlaubt. Aber es enthält eineUnbestimmtheit, die mir dadurch vermieden werden kann, daß man dasWesen der Knust nicht (wie man bisher mir zu oft gethan hat) in derBeschaffenheit ihres Gegenstandes, sondern in der Stimmung der Phan-tasie nnfsncht.

Zwar hat man sich bemüht, dieser Unbestimmtheit auf eine doppelteWeise abzuhclsen. Man hat dem Künstler empfohlen, nur die schöneNatur, und diese nur schön nachzuahmen. Allein der Begriff des Schö-nen veranlaßt vielerlei Mißverständnisse, ist von durchaus unbestimmterAusdehnung, und läßt immer neue und höhere Grade zu. Der desIdentischen hingegen ist vollkommen bestimmt. Denn alles ist identisch,was die Phantasie in ihrer reinen Sclbstthätigkcit erzeugt, was daher voll-kommene Phantasieeinhcit besitzt. Diese nun ist immer eine geschlosseneGröße, obgleich, da kein Künstler hoffen darf, sie ganz zu erreichen, dieStärke der Phantasie in den einzelnen Individuen auch hier unzählige Grade jedoch nur in der Ausführung, nicht in der Forderung zuläßt.

Die andere Zweideutigkeit, welche der Ausdruck der Nachahmungveranlaßt, hat man dadurch vermeiden wollen, daß es keine leidende Nach-ahmung, sondern eine selbstthätigc Umwandlung der Natur sein müsse.Aber auch die Gränzen und die Art dieser Umwandlung verlangten neueund, genau zu reden, unmögliche Bestimmungen.

Die einzige Art diesen Streit zu schlichten, bleibt daher der snbjec-tivc Weg, den wir gewählt haben, und der dennoch nicht weniger zu einervollkommen objectiven Definition der Kunst führt. Denn da der Künstlerdie Natur (unter der wir den Inbegriff alles dessen, was für uns Reali-tät haben kann, verstehen) zu einem Gegenstände der Phantasie macht: soist die Kunst die Darstellung der Natur durch die Einbildungskraft; unddiese Definition unterscheidet sich so wenig von der oben (III.) gegebenen,daß sic vielmehr nur ein objectivcr Ausdruck derselben ist.

Diese Darstellung kann nun nicht anders, als schön sein; denn sieist ein Werk der Einbildungskraft. Sic muß eine Umwandlung der "Na-tur enthalten; denn sie versetzt dieselbe in eine andere Sphäre. Die De-finition selbst aber faßt die Bestimmung in sich, welche Schönheit ihr an-gchörcn, welche Umwandlung die Natur erfahren soll; keine andere näm-lich, als welche jene Versetzung in ein fremdartiges Medium von selbstmit sich bringt.