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den Verstund Gedachtes, oder durch das Herz Empfundenes vorznstellen.Ader dieser Begriff ist ebensowohl nnf bloß sinnliche Gegenstände anwcnd-bor, und man darf sich nur an das vorhin gegebene Beispiel, den einfach-sten Fall der Kunst, die bloße Nachahmung der Natur erinnern, um sichhiervon zu überzeugen.
An einer schön gemalten Frucht bemerkt man ein Schwellen desEontnrs, eine Zartheit des Fleisches, eine flanmartige Weichheit der Haut,ein Glühen der Farben, das — so sehr ist cs bloß idealisch — die Naturnie zu erreichen vermag. Man kann darum nicht sagen, das; die gemalteFrucht schöner sei, als die natürliche; die Natur ist überhaupt nie schön,als in sofern die Phantasie sie sich vorstellt. Man kann nicht sagen, daßdie Umrisse in der Natur weniger vollendet, die Farben minder lebhaftwären; der Unterschied ist allein der, daß die Wirklichkeit zu den Sinnen,die Kunst zu der Phantasie spricht, daß jene harte und schneidende Umrisse,diese zwar immer bestimmte, aber immer auch unendliche gicbt.
Selbst der unleugbare Widerspruch, der in diesen beiden Eigenschaftenenthalten ist, beweist, daß alle Wirkung der Kunst nur durch die Stim-mung des Empfindenden hcrvorgcbracht wird. Denn sonst ist cs offenbarklar, daß der Umriß, der bestimmt, zugleich begrenzt, daß, indem er an-giebt, wie weit eine Nnie, eine Fläche gehen soll, er zugleich alles Fernereausschlicßt; aber die Phantasie begrenzt nie, sic geht immer ins Unendlichefort, und sobald also das Genie des Künstlers sic begeistert, verbindet sieihre Unendlichkeit mit den Formen, die er ihr vorlegt, ohne sich um einenWiderspruch zu bekümmern, der zwar den Verstand und die bloße sinnlicheAnschauung, nicht aber sie angeht.
Eben daher kommt cs auch, daß die Knust uns immer in nnS zu-rück versenkt, da die Wirklichkeit uns ans uns hcrausführt, unsere Begierdeznm Genuß, unsere Thätigkcit znm Handeln weckt. Das Werk der Kunstist zu edel für den Genuß, und erregt zu sehr die innersten Kräfte desMenschen, um sic plötzlich in Bewegung zu setzen; eS flößt die höchsteund schönste Begeisterung zu großen Thaten ein, aber erst indem cS denMenschen sich selbst giebt, schenkt es ihn der Welt. Es spricht gar nichtzn demjenigen Thcilc seines Wesens, mit dem er der Wirklichkeit angehört.
W. v. HninbDlkl, über «Huelhe's Hermann li'.ld Dorutüea.