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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
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der Vernunft. Dadurch allein schon bewährt er, daß er sich mit Rechteiner höheren Abkunft rühmt, als die übrigen Geschöpfe, daß er in einbesseres Land, als das der Wirklichkeit, daß er in das Land der Ideengehört.

Dahin auch die ganze Natur, treu und vollständig beobachtet, mitsich hinüber zu tragen, d. h. den Stoff seiner Erfahrungen dem Umfangeder Welt gleich zu machen; diese ungeheure Masse einzelner und abgeris-sener Erscheinungen in eine nngetrenntc Einheit und ein organisirtesGanzes zu verwandeln; und dies durch alle die Organe zu thnn, die ihmhierzu verliehen sind, ist das letzte Ziel seines intcllcctnellcn Be-mühens.

Da jedoch diese Betrachtung in ihrer Allgemeinheit unserem Gegen-stände fremd ist, so bleiben wir hier nur bei dem Anthcilc stehen, den andieser großen Arbeit die Einbildungskraft und der Künstler insbesonderenimmt. Wir erinnern überhaupt nur daran, um zu zeigen, daß dieKunst nicht zu den mechanischen und untergeordneten Geschäften gehört,durch die wir uns zu unserer eigentlichen Bestimmung bloß vorbcrcitcn,sondern zu den höchsten und erhabensten, durch die wir sic selbst unmittel-bar erfüllen.

V.

Zweiter und höherer Begriff des Jdcalischcn, als eines Etwas, das alleWirklichkeit übcrtrifft.

Dadurch, daß der Dichter seinen Gegenstand, selbst wenn er ihnunmittelbar aus der Natur entlehnt, doch immer von neuen: durch seineEinbildungskraft erzeugt, wird die Gestalt bestimmt, die er demselben überseine wirkliche Beschaffenheit, oder auch außer derselben, giebt. Denn ertilgt nun jeden Zug in ihm ans, der nur in Zufälligkeiten seinen Grundhat, macht jeden von dem anderen, und das Ganze nur von sich selbst ab-hängig; und die Einheit, die dadurch in ihm herrschend wird, ist dennochkeine Einheit des Begriffes, sondern durchaus nur eine Einheit der Form.Denn nur unter der doppelten Bedingung völliger Selbstbestimmung undvölliger Formalität, ist die Einbildungskraft im Stande, ihn sich selbst zu