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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
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Dcnn nur, indem wir diese doppelte Benrthcilnng mit einander ver-binden, können wir gewiß sein, weder der Originalität des Dichters, nochden gerechten Ansprüchen der Theorie der Kunst zu nahe zu treten.

III.

Einfachster Begriff der Kunst.

Das Feld, das der Dichter als sein Eigcnthum bearbeitet, ist dasGebiet der Einbildungskraft; nur dadurch, daß er diese beschäftigt, undnur in so scrn, als er dies stark und ausschließend thnt, verdient er Dich-ter zu heißen. Die Natur, die sonst nur einen Gegenstand für die sinn-liche Anschauung abgicbt, muß er in einen Stoff für die Phantasie nm-schafsen. Das Wirkliche in ein Bild zu verwandeln, ist die allgemeinsteAufgabe aller Kunst, auf die sich jede andere, mehr oder weniger un-mittelbar, znrückbringm laßt.

Um hierin glücklich znsein, hat der Künstler nur Einen Weg cinznschlagcn.Er muß in unserer Seele jede Erinnerung an die Wirklichkeit vertilgen, undnur die Phantasie allein rege und lebendig erhalten. An seinem Objectedarf er dem Gehalte und selbst der Form nach nur wenig ändern; wenn mandie Natur in seinem Bilde wicdcrcrkcuncn soll, so muß er sic streng undtreu nachahmen; es bleibt ihm also nichts übrig, als sich an das Snbjectzu wenden, auf das er wirken will. Ließe er auch den Gegenstand selbst,bis auf seine kleinsten Flecken, gerade so wie er in der Natur ist, so hätteer denselben nichts desto weniger zu etwas durchaus Verschiedenem gemacht;dcnn er hätte ihn in eine andere Sphäre versetzt. In der Wirklichkeitschließt immer eine Bestimmung jede andere ans; was sie also dem Gegen-stände durch ihre Beschaffenheit giebt, das nimmt sic ihm wieder durch ihransschließendcs Dasein; vor der Phantasie hingegen fällt diese Beschrän-kung, die nur aus der Natur der Wirklichkeit herflicßt, von selbst hinweg,da die Seele, von der Phantasie begeistert, sich über die Wirklichkeit er-hebt.

Diese allgemeinste und einfachste Wirkung aller Kunst beweisen ambesten diejenigen Gemälde, die sich begnügen, leblose Naturgegcnständedarznstcllen. Eine Pflanze, eine Frucht ist gerade so gemalt, wie sie in