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II.
Hauptbcstandtheilc aller dichtcrischcn Wirkung. — Plan dieser Benrthcilnngim Allgemeinen.
Nichts ist ein so zuverlässiger Beweis des echt dichterischen Charak-ters, als die Verbindung des Einfachsten und des Höchsten, des durchausIndividuellen und vollkommen Identischen (dieser beiden Hauptbestand-theile aller künstlerischen Wirkling) in derselben Schilderung und derselbenGestalt.
Denn durch einzelne Bilder der Phantasie den Geist auf einen hohenund weitnmschancndcn Standpunkt zu führen, ist die schöne Bestimmungdes Dichters; vermittelst durchgängiger Begrenzung seines Stoffes eine un-begrenzte und unendliche Wirkling hcrvorzubringcn, durch ein Individuumeiner Idee Genüge zu leisten, und von Einem Punkte ans eine ganze Weltvon Erscheinungen zu eröffnen.
Zwar kann es leicht scheinen, als sei das Geschäft, das ihm dadurchaufgelegt wird, nur die übertriebene Forderung eines nudichtcrischcn Zeit-alters, das, indem cs überall nach philosophischen Begriffen hascht, auchüberall nur Ideen sucht, und das bloße und leichte Spiel der Sinne undder Einbildungskraft verschmäht. Man darf aber nur seine nächste undeigentlichste Bestimmung genau untersuchen, und man wird unleugbarfinden, daß, indem er dieser vollkommen zu genügen strebt, er sich zugleichauf dem Wege befindet, jenes zu erreichen, sich zu Idealen zu erhebenlind eine gewisse Totalität zu erlangen.
Dies liegt uns jetzt zu zeigen ob. Denn wenn das Gedicht, daswir zu bcurthcilcn im Begriff sind, wirklich einen so rein dichterischenEindruck zurückläßt, als wir so eben beschrieben haben, so wird unsnichts so sicher, als die Erörterung des Wesens der Dichtkunst selbst,bei der Schilderung seines allgemeinen Charakters leiten; und diese Schil-derung macht den ersten und hauptsächlichsten Theil unseres Geschäftesaus.
Haben wir diesen vollendet, so bleibt uns dann nur noch übrig, dieArbeit des Dichters mit den besonderen Regeln der Gattung zu ver-gleichen, zu der sie gehört.