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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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was cr bisher wirklich geleistet hat; aber sie würde dennoch nicht minderverdienen, als eine eigene, philosophisch geordnete ErfahrnngStheorie vonder Masse der übrigen philosophischen Kenntnisse abgesondert zu werden.In wiefern sie hierauf Ansprüche machen, und selbst eines eigenen Namensbedürfen möchte, da sic sich auch in ihren: allgemeinen Theile von derPsychologie und Anthropologie wesentlich unterscheiden würde, ist hier nichtder Ort, auseinander zu setzen. Ich glaubte ihrer nur überhaupt erwäh-nen zu müssen, um für die Bcurtheilnng dieser Blätter den entfernterenZweck bestimmter anzndcutcn, den ich bei Ausarbeitung derselben nie ansden Augen verlor.

Der Rückblick auf diesen entfernteren Zweck aber hat mich genöthigt,einen Gang zu wählen, der, wie ich fürchte, Vielen zu lang und zu be-schwerlich scheinen wird. Mein Raisonncmcnt ist nämlich für die Indi-vidualität meines Gegenstandes vielleicht zu allgemein, für seine Anschau-lichkeit zu philosophisch geworden. Wenn ich mir auch schmeicheln könnte,den Acsthctiker einigermaßen befriedigt zu haben, so darf ich nicht auchhoffen, dem Dichter unmittelbar bei seinem Geschäfte nützlich zu werden.Die philosophische Höhe, zu der ich mich von meinem Standtpnnktc ansnothwcndig erheben mußte, ist dem ausübenden Künstler weder bequemnoch fruchtbar; cr braucht mehr spceicllc und empirische Regeln. Wenndiese dem Philosophen zu eng und individuell sind, so erscheint ihm da-gegen dasjenige, was für den Künstler Gehalt und Tauglichkeit zumallgemeinen Gesetz hat, immer hohl und leer. So stehen Beide in einemnothwcndigen und unvermeidlichen Widerstreite mit einander.

Aber die Philosophie der Kunst ist auch nicht Hauptsächlich für denKünstler, und wenigstens nie für den Augenblick der Hcrvorbringnng be-stimmt. Es ist ein Vorzug und ein Unglück der Philosophie überhaupt,immer nur den Menschen, nie die Ausübung zum unmittelbaren Endzweckzu haben. Der Künstler kann ohne sic Künstler, der Staatsmann ohnesic Staatsmann, der Tugendhafte ohne sie tugendhaft sein; aber der Menschbedarf ihrer, um, was cr von ihnen empfängt, zu genießen und zu be-nutzen, um sich selbst und die Natur zu kennen und diese Kcnntniß frucht-bar zu machen; und jene sogar können ihrer nicht entbehren, wenn sie sichselbst verständlich werden und mit ihrer Vernunft dem Fluge ihres Geniesoder der Tiefe und Nichtigkeit ihres praktischen Sinnes glcichkommen wol-len. Eben so ist auch die Acsthctik unmittelbar nur für denjenigen be-stimmt, welcher durch die Werke der Kunst seinen Geschmack, und durch