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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
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sicht ein Ziel, dem man nachstrebcn kann; man kennt einen Weg, ansdem es möglich ist, im höchsten Beistände des Wortes Entdecker zu sein,indem man durch die That als Dichter, Denker, oder Forscher, aber vorallem als handelnder Mensch, jener Summe etwas Neues hinznfügt, unddamit die Grenzen der Menschheit selbst weiter rückt. Dian gewinnt eineZdce, welche durch Begeisterung zugleich Kraft mitthcilt, da das Gesetzdie Schritte nur leitet, nicht auch beflügelt, und den Muth mehr danicdcr-schlagt, als erhebt.

Es gicbt keine freie und kraftvolle Äcnßerung unserer Fähigkeitenohne eine sorgfältige Bewahrung unserer ursprünglichen Natnranlagen;keine Energie ohne Individualität. Deswegen ist es so nothwendig, daßeine Charakteristik, wie die eben geschilderte, dem menschlichen Geiste dieMöglichkeit vorzeichne, mannichfaltigc Bahnen zu verfolgen, ohne sichdarum von dem einfachen Ziele allgemeiner Vollkommenheit zu entfernen,sondern demselben vielmehr von verschiedenen Seiten entgegen zn eilen.Nur ans eine philosophisch empirische Menschenkenntnis; läßt sich die Hoff-nung gründen, mit der Zeit auch eine philosophische Theorie der Menschcn-bildung zn erhalten, lind doch ist diese letztere nicht bloß als allgemeineGrundlage zu ihren einzelnen Anwendungen, der Erziehung und Gesetz-gebung (die selbst erst von ihr durchgängigen Zusammenhang in ihrenPrineipicn erwarten dürfen), sondern auch als ein sicherer Leitfaden beider freien Sclbstbildnng jedes Einzelnen ein allgemeines und besonders inunserer Zeit dringendes Bcdürfniß. Je größer die Anzahl der Richtungenist, welche ihm offen liegen, je reichhaltiger der Stoff, welchen unsereCultnr ihm darbietet, desto mehr fühlt sich auch der bessere Kopf verlegen,unter dieser Mannichfaltigkeit eine verständige Wahl zu treffen, und auchnur Mchreres davon mit einander zn verbinden. Ohne diese Verbindungaber geht die Cultnr selbst verloren. Denn wenn die Cultnr des Men-schen die Kunst .ist, sein Gcmüth durch Nahrung fruchtbar zu machen, somuß er dazu seine Organe so harmonisch stimmen, und eine solche äußereLage wählen, daß er so Vieles, als möglich, sich aneigncn kann, da ohneAneignung kein Nahrungsstoff weder in das Gcmüth, noch in den Körperübergeht.

Eine solche Charakteristik des Menschen dürfte sich zwar nie zueiner eigentlichen Wissenschaft erheben, ob sie gleich mehr bestimmtwäre, philosophisch und znm Behuf höherer Ausbildung zu entwickeln,was der Mensch überhaupt zn leisten vermag, als historisch zn zeigen,