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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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XVII
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XVII

würdig, was der spcculative Geist, dem Künstler und Poeten gegenüber,eigentlich leisten kann, denn was hier nicht geleistet worden, das kann aufdiesem Wege überhaupt nicht geleistet noch gefordert werden. Sie habenden philosophisch-kritischen Verstand, in sofern es diesem mehr um allge-meine Gesetze als nm regulatorische Vorschriften, mehr um die Metaphysikals um die Physik der Kunst zu thun ist, auf das vollständigste, würdigsteund lieberalste repräscntirt und nach meinem Gefühle das Geschäft geen-digt. Es ist zum Erstaunen, wie genau, wie vielseitig, wie erschöpfendSie Alles behandelt haben, so daß ich überzeugt bin, was auch künftig-hin über den Proceß des Künstlers und Poeten, über die Natur der Poesieund ihre Gattungen noch mag gesagt werden, es wird Ihren Behauptungennicht widersprechen, sondern sie nur erläutern, und es wird sich in IhremWerke gewiß der Ort Nachweisen lassen, in den es gehört und der es im-plicite schon enthält."

Auf jene Grundfrage, welche für den Ausbau der Aesthetik alsWissenschaft so wichtig ist, auf die Stellung, welche Humboldt der Natur-geschichte der Phantasie als Ausgangspunkt aller wissenschaftlichen Kunst-betrachtung gegeben hatte, ist Schiller nicht eingegangen; dazu lagen ihmphilosophische Anliegen bereits zu fern.

Es ist bekannt, daß Humboldt diesen Weg nicht weiter fortgesetzthat, obgleich er ununterbrochen, nicht blos in Rom, sondern auch seinganzes übriges Leben hindurch der Kunst und Dichtung die liebevollsteTheilnahme und Empfänglichkeit zuwendete. Als er nach bedeutenderöffentlicher Wirksamkeit wieder zu der gcmüthstillen Pflege der Wissen-schaft zurückkehrte, hatte das Denken und Forschen über Wesen und Ge-schichte der Sprache in ihn: die Oberhand gewonnen.

Man kann nicht sagen, daß durch diese veränderte Thätigkeit Hum-boldt seiner ursprünglichen Richtung untren geworden.

Im Gegcntheil. Nicht blos für die Einsicht in die Geistesentwicke-lung Wilhelm von Hnmboldt's, sondern weit mehr noch für die unbefan-gene Beurtheilung der Aufgaben und Ziele der Aesthetik ist es von derfolgenreichsten Bedeutung, klar zu erkennen, daß der sprachwissenschaftliche