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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
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an Humboldt selbst, und die Urthcile, welche Schiller an Goethe nnd Kör-ner schrieb, sind durchaus gleichlautend.

Humboldt's Buch fiel bei beiden Dichtern nicht in die günstigsteStimmung. Beiden war durch ihren hohen FreundschaftSbnnd ein neuerDichterfrühling erblüht; Beide lebten wieder mehr als je in der frischestenSchöpferlust. Goethe hatte für philosophische Untersuchungen über Kunstin seinem thatsachlichen Sein keine Handhabe; jene Abneigung, welche ergegen Bestrebungen dieser Art einmal gegen Eckcrmanu (Bd.1,S.88) aus-sprach, war nicht eine Laune und Grämclei des Alters, sondern innersteEigenthümlichkcit. Schiller hatte inzwischen die Zeit seines Philosophircnsso gründlich überwunden, daß er wiederholt anssprach, wie gern er Alles,was er oder ein Anderer von der Elementar-Aesthetik wisse, für eineneinzigen empirischen Vorthcil, für einen Kunstgriff des Handwerks hin-gebcn würde. Die Freunde erkannten, daß diese Arbeit nicht ganz in ihregegenwärtigen Umstände eingreifcn könne. Goethe hat daher, obwohl ersich freute,wenigstens auf der letzten Strecke seiner dichterischen Laufbahnmit der Kritik in Einstimmung zu gerathen", niemals ausführlich sichüber dieses Buch ausgesprochen, nnd Schiller hatte für die Mängel des-selben ein scharfes Auge. Er tadelt daher sowohl in seinen Briefen anGoethe (Nro. 473 ), wie an Körner (Bd. 4 , S. 77 ), die Kraftlosigkeitdes Stils, dem cs an einer gewissen nothwcndigen Kühnheit des Ausdrucksund in Rücksicht ans die ganze Behandlung an der Kunst der Massenfehle; er tadelt die Komposition, welche einen nicht zu vermittelndenSprung von dem Begriffe und dem Gesetze zn dem einzelnen Falle nndzur Anwendung auf den Dichter Hervorrufe. Aber er vergißt nirgendshinzuzusetzen, daß das Buch in seiner Art an Gründlichkeit, Breite nnd Tiefe,an Scharfsinn der Unterscheidung und an Fülle der Verbindung Seines-gleichen suche nnd daß es Alles zur Sprache bringe, was sich durch Rä-sonnement über die Gattung nnd die Arten der Poesie ausmachen oderahnen lasse. Es ist nicht schmeichelnde Höflichkeit, sondern die wohl er-messene und aufrichtige Uebcrzeugung Schillcr's, wenn er an Humboldt(S. 437 ) schreibt:Ihre Schrift ist mir auch als ein Beweis merk-