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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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entwickelten Naturvölkern, die sich nicht nur der Natur nicht überlegenfühlen, sondern von deren Gewalt übcrwättigt die nackten Naturdinge alsihre höchsten- Götter verehren, unaufhaltsam der Knnsttrieb hervorbricht undsich znm Theil sogar schon in den überraschendsten Werken bcthätigt? Diespecnlativc Aesthctik, so großartig auch sonst ihre Errungenschaft ist, machtdas Ideal, das sie erst aus der Thatsache und der Anschauung vollendeterKunstwerke gewonnen hat, znm treibenden Grundgedanken; sie macht dasEnde zum Anfang. Sollte also nicht an der Zeit sein, zu dieser Hum-boldt'schcn Physiologie der schöpferischen Einbildungskraft wieder mit vollerBewußtheit zurückzukchrcn, um sic folgerichtig fortzubilden und ausznge-stalten?

Es ist merkwürdig zu sehen, wie sich die beiden Dichterheroen zueinem Buche verhielten, das zu ihnen in so nahem Bezug stand.

Je neidischer und kleinlicher heute unsere Dichter, die freilich in ihrergroßen Mehrzahl nur Schöngeister, nicht Dichter in Wahrheit sind, das Lobüberwachen, was dem Einen oder dem Anderen gezollt wird, um so erheben-der ist die lautere Seclengröße Schiller's, die sich auch hier wieder glänzendbewährte. Es ist sicher einem Jeden aus der Seele gesprochen, wennHaym (S. 165) sagt:Mit unbedingter und uneingeschränkter Bewun-derung sprach Humboldt von Goethe. Das ganze Buch war nur eineAusführung dieses Einen Textes. Der Name Schiller's war darin nichtzu finden. An Schiller nichtsdestoweniger sandte er das Manuscript undbeauftragte ihn mit der Veröffentlichung desselben. Immer ist es unsals eines der unwidersprechlichstcn Zeugnisse für die Reinheit und Liebens-würdigkeit von Schiller's Charakter erschienen, daß dieser die Schrift desFreundes mit vollkommen unparteiischer Billigung empfing. Er hatteallerdings auch Tadel darüber auszusprechen. Aber dieser Tadel bezogsich theils auf die Form, theils gerade auf Dasjenige, worin er seinenEinfluß auf den Freund zu erkennen glaubte. Keine Spur von Empfind-lichkeit war diesem Tadel beigemischt. Das, ohne Zweifel, war eine inder Literatur seltene Erscheinung; aber seltsamer war es, daß Humboldtdiese Gesinnung bei Schiller voraussetzte." Die Urthcile, welche Schiller