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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
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Briefwechsel mit Schiller giebt darüber die regsamste Rede und Widerrede.Endlich war das Ganze erschienen. Humboldt schildert in einem Briefevom 18. Decembcr 1795 (a. a. O. S. 365) den Eindruck dieserAbhand-lungen als so überwältigend,daß sie ihm zn fast allen Zweifeln, in wel-chen er sonst manchmal im kritischen Urthcilc über Dichter schwankte, die Auf-lösung, und zu seinen Hauptnrthcilen selbst den bestimmten deutlich aus-gesagten Grund hergegeben haben". Wir unsererseits können zu diesemSelbstbekenntnis; hinznfügen, daß diese Abhandlung der maßgebende Textwurde, in welchem sich, erläuternd und anwendend, fortan ganz ausschließ-lich das gesammte ästhetische Empfinden und Denken Humboldt's bewegte.

Am 1. November 1796 kehrte Wilhelm von Humboldt mit seinerFamilie wieder nach Jena zurück und verweilte dort den ganzen Winter.Die glücklichsten Stunden des innigsten Zusammenlebens und des regstenGedankcnverkchrs mit Schiller erneuten sich. Wie früher verlebten auchjetzt die Freunde regelmäßig die Abende miteinander. Wilhelm vonBnrgsdorf, ein strebsamer Jüngling, welcher sich damals bei Humboldtaufhielt, hat in einem Briefe an Rahcl (mitgctheilt in Varnhagen'sGalerie von Bildnissen. Leipzig 1836. Bd. 1, S. 114), ein anziehendesBild dieser Abende gegeben; Schiller nur in seinen Ideen lebend undnur Dasjenige achtend und liebend, was sich an seine ewige Geistes-thätigkeit knüpft, und Humboldt, im vollsten Behagen langersehnter befrie-digter Gegenwart und daher zwangloser und liebenswürdiger als je, inaller heiteren Sprunghaftigkeit des Gesprächs immer streng bei der Sachebleibend, ernst und streng sachlich nach der klaren Erfassung der Wahrheitstrebend und nicht eher rastend und abbrcchcnd, als bis die Unterhaltungzn einem letzten Ergcbniß gelangt ist. Jedoch die Dinge, über welche ver-handelt wurde, waren andere als in den früheren Jahren. Schiller saßüber den Vorarbeiten znm Wallenstein und mar nicht mehr mit voller Seelebei begrifflich allgemeinen, rein philosophischen Untersuchungen. Goethe,nunmehr mit Schiller durch engste Freundschaft verbunden und dadurchauch mit Humboldt in den herzlichsten persönlichen Verkehr gekommen,hatte sich gegen das Ende des Winters ebenfalls nach Jena gewendet und