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befreiende staatömännische Tüchtigkeit entfalten nnd zugleich der epoche-machende Begründer der vergleichenden Sprachwissenschaft werden sollte,war vorwiegend von den Einwirkungen der Kantischen Philosophie nndvon der wärmsten Liebe znm Alterthnm, besonders zur griechischen Dich-tung, bewegt nnd bedingt gewesen. Die ersten schriftstellerischen ArbeitenHnmboldt's, die „Ideen zu einem Bersnch, die Gränzen der Wirksamkeitdes Staates zu bestimmen" (1792), seine „Skizze über die Griechen",seine llebersetznngen von Bruchstücken ans Acschylns nnd Pindar, gebenvon dieser Doppelrichtnng lebendiges Zeugnis;.
Humboldt war ungefähr sechsnndzwanzig Jahre alt, als ein Ereig-niß cintrat, welches ans sein gcsammtcs Leben entscheidend cinwirkte. ImApril 1793 machte er bei einem Besuche in Jena die nähere Bekannt-schaft Schillcr's, mit welchem er bereits seit einiger Zeit, persönlich nndbrieflich, in flüchtigen Berührungen gestanden hatte. Schiller lebte geradedamals nicht minder begeistert im Studium der Kantischen Philosophiennd war emsig beschäftigt, ans Grnnd der Kantischen Kritik der Urthcils-kraft, eine eigene nnd selbständige Knnstlchre anfznbancn, welche kurznachher ihren tiefsten Abschluß in den Briefen „lieber die ästhetische Er-ziehung deS Menschen" fand. Humboldt wurde von Schiller so lebhaftangeregt, daß er sich rasch entschloß, auch seinerseits nach Jena überzu-siedeln. Dies geschah im Frühjahr 1794. Bald wurden Beide, Schillernnd Humboldt, durch die innigste Freundschaft verbunden. Die Freundesahen sich, wie Wilhelm von Humboldt in der Einleitung seines von ihm imJahre 1830 hcranSgegcbcnen Briefwechsels mit Schiller (S. 7) erzählt,alltäglich mit ihren Familien zweimal, vorzüglich aber des Abends alleinnnd meistcnthcils bis tief in die Nacht. Es waren herrliche Stunden er-giebigster Anregung nnd Wechselwirkung. Schiller war ein Birtnos desGesprächs; er suchte, um mit Hnmboldt's (a. a. O. S. 13) eigenen Wor-ten zn sprechen, nie nach einem bedeutenden Stoffe der Unterredung, erüberließ es mehr dem Zufall, den Gegenstand hcrbciznführen, aber vonjedem ans leitete er das Gespräch zn einem allgemeinen Gesichtspunkte,nnd man sah sich nach wenigen Zwischcnreden in den Mittelpunkt einer
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