SS
verwickelte mich in ihre Bestrebungen und wurdebekannt mit ihren Genüssen; während die letzternmich mit Unerlaubtem sättigten, machten mich jeneungläubig gegen reine Tugend. Ich b-trachiete IhrGeschlecht als ein Näthsel, als eine Aufgabe, weichemeine Erfahrung bereits gelöst habe. Gleich denfranzösischen Filosofen, welche unter dem Bestrebendie Wahrbeit zu cvncentriren, sie verlieren, undwelche aus Ehrfurcht vor den Marimen an der Mo-ral freveln, faßte ich meine Kenntniß der Weiber inAforismen und Gegensätzen zusammen; und ließ mirnichts von den Ausnahmen träumen, wenn ich michnur in der allgemeinen Behauptung nicht getäuschtfand. Ich gestehe, daß ich irrte; ich entsage vonStund' au den kältern Reflerionen meines Mannes-alters, den Früchte« einer schmerzlichen Erfahrung,der Weisheit eines wahrheirsuckeuden aber stürmi-schen Lebens. Ich kehre mit Entzücken zu meinenfrühsten Träumen von Schönheit und Liebe zurück,und ich weihe sie auf dem Altar meiner SeeleIhnen, — denn Sie haben sie ja verkörpert, gestal-tet und ihnen das Leben eingehaucht!
Auszüge aus dem Tagebuch der LadyEmilie Mandeville.
Montag. Das ist der freudloseste Tag in derganzen Woche, denn er kann mir keinen Brief v°nihm bringen. Ich stehe mißmnthig auf und lese undlese wieder den letzten Brief den ich von ihm