Er gibt der Empfindung die Kraft des Gedankens.Voltaire zeigt wenig Gefühl in seinen Schriften,obgleich es ihm selbst vielleicht nicht daran gebrach.Er hätte in der That nicht mit so viel Zartheit wol-thätig sein können, wäre sein Grmüth nicht weicherund milder gewesen, als man nach seinen Schriftenschliefen sollte. Noch weniger würde ihn jene selteneZuneigung für die Unglüklichen, jenes muthigr Mit-gefühl für die Unterdrükten beseelt haben, welchesseine legten Lebensjahre so eigenthümlich bezeichnet.Niemand verdient weniger „herzlos" genant zuwerden, als dieser Mann. Er blieb jeder frühemFreundschaft in ausgezeichnetem Grad treu und liebteeben so innig, als er bitter haste. Durch eine Un-glükserzälung ließ er sich leicht täuschen; er wardas Geschöpf des angenbliklichen Eindruks und bisan's Ende ein halbes Kind. Ec hatte ein stärkeresGefühl für Humanität, als irgend einer seiner Zeit-gestossen; er weinte, wie er Türgot sah und stam-melte schluchzend : „Laisser-moi l-aisser cette Main, 2 >iis siAve le Salut äu peuplö." Hätte Voltaire auchnie eine Zeile geschrieben, so wäre er als praktischerPhilanthrop auf die Nachwelt gekommen. Ein vonfünfzig Bauern bewohntes Dorf ward durch ihn zurHeimat von >,io Fabrikanten umgeschaffen. 3»Ferney wird er immer noch der Vater der Armengenant. Als Mensch war er eitel, von sich selbsteingenommen, launisch, reizbar, aber edelmüthig undleicht zu rühren. Er hatte nichts von Mephistopheles
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten