das Gemüth, er schildert oder ivekt das Gefühl.Indessen hat das Sentimentale bei Byron fastganz die Stärke nnd Innigkeit der Leidenschaft *).
*) Von oberflächliche» Kritikern wurde Byron derDichter der Leidenschaft genant. Dem ist abernicht so. Um die Leidenschaft zu malen, mußmau. wie ich schon anderswo bemerkt habe, denKampf der Leidenschaft darstellen, und Dies thutByron (mindestens ausser seine» Dramen) nie-mals. Es ist keine Schilderung der Leidenschaftin Medora« und selbst in Gulnarens Liebe, aberdas Gefühl tritt in Beiden so mächtig hervor, alsdie Leidenschaft eS nur immer thu» köute. Uebcr-all. im CHilde Harold, im Don Juan, in denorientalischen Srzälungen, malt Byron Empfin-dungen. keine Leidenschaften. Wo Macbeth überseinen „Lebensweg" Betrachtungen anstellt, äusserter eine Empfindung, — wo er inne hält, bevorer seinen König ermordet, entfaltet er »nsseine Leidenschaften. Othello, von seiner Eifer-sucht — halb Liebe halb Haß, — zerrissen, ist einGemälde der Leidenschaft; CHilde Harold, überRom moralisirend, gibt ei« Gemälde des Gefühls.Die Dichter der Leidenschaft malen wechselndeund streitende, mit sich selbst im Kampf begriffen«Empfindungen. Die Dichter des Gefühls malendas Uebergewicht einer eigenthümliche« Gedanken-richtung oder Gcmüthsbewcgung. Aber di« Meng«verwechselt leicht Beides und nent einen Schrift-steller leidenschaftlich, dessen Held beständig sagt,er liebe leidenschaftlich. Wenig« Personen wolle»zugeben daß Richardsons Klarissa und Klementinebessere Darstellungen der Leidenschaften find, alsByrons Julia und Haidee.