Druckschrift 
6 (1834)
Entstehung
Seite
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Sie nahm seine Liebesbriefe wie die ihrigen mit sichfort, welche sie im Anfang ihrer Ehe in einer zärt-lichen Stunde zusammcugesammelt hatte damalsein unschätzbares Kleinod! und nie erhielt ihr neuerGeliebter von ihren schönen Lippe» einen nur halbso leidenschaftlichen Kuß, als sie beim Scheiden aufdie Wange ihres Kindes drückte. Einige Monategenoß sie mit ihrem Buhlen Alles, wornach sie inihrem Hause geseufzt hatte. Derjenige, welchem zulieb sie ihre gesetzliche» Bande zerrissen hatte, warein so durchaus leutseliger, artiger und was mangewöhnlich so nennt, gutmüthiger Mann (obgleicher so viel Selbstsucht in sich hatte, als ein Edelmannmit Anstand haben kann), daß er galant gegen sieblieb, ohne Mühe und Anstrengung, lange nochnachdem er schon sich die Möglichkeit gedacht hatte,selbst eines so lieblichen Angesichts überdrüssig z»werden. Doch gab es auch Augenblicke, wo dasleichtsinnige Weib mit Reue an ihren Gatten zu-rückdachte, und eine Vergleichung mit ihrem Ver-führer nicht durchaus schmeichelhaft für den letzter»ausfiel. Ein mächtiger, stark ausgeprägter Charakterhat etwas an sich, das Weiber und alle schwachenNaturen zu achten sich gedrungen fühlen; und Wel-fords Charakter hob sich scharf und deßwegen vor»theilhaft, wenn gleich finster, hervor, zusammenge-halten mit dem Leichtsinn und der Schwäche des der-maligen Anbeters seiner schuldbelasteten Gattin. Wiedem seyn mochte, der Würfel war geworfen, und