Druckschrift 
6 (1834)
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

66

einen Anspruch, uns Anderer Kosten zu leben. Ichmusterte meine Talente und betrachtete die Einrich-tungen meines Vaterlandes; hieraus ergab sich derEntschluß, mich an der Schranke zu versuchen. Ichbesaß eine unerschöpfliche Aufmerksamkeit und Thä-tigkcit; ich war lebhaft, schlau nnd kühn. Alle dieseEigenschaften gelten bei den Gerichtshöfen. Ichhielt meine geschlichen Termine, ich ward jberusen,ich besuchte meinen Bezirk und ich erhielt keineRechtssache, keine, Julie! meine nie sehr feste Ge-sundheit wankte unter dem Studium und der Ge-reiztheit meines Gcmütbs; man verordu.ete mir, michaufs Land zu begeben, ich kam in diese Stadt, dieabgelegen und gesund ist. Ich wohnte im HauseDeiner Muhme, Du kamst täglich dahin, ich sahDich das Uebrige weißst Du. Aber wo waren,wirst Du fragen, während dieser Zeit all die vor-nehmen Freunde? Beim Himmel, seit mir das Col-legium verlassen, hatten sie etwas von der Weisheitgelernt, welche ich damals schon besaß; sie hattenkeine Lust, etwas umsonst anszugebcn; sie hattenjüngere Brüder, Vetter, Mätressen und wohl garauch Kinder, für die sic sorgen mußten. Zudem hat-ten sie Ausgaben genug; je reicher Einer ist, destoweniger hat er zu geben. Einer von ihnen hättemir eine Pfründe übertragen, wenn ich hätte in dieKirche, ein Anderer eine Offizierstelle, wenn ichhätte in sein Regiment treten wollen. Aber ich sabwohl, daß die Zeit für mich vorbei war, Geistlicher