und eine kurze Stunde einsamen Nachdenkens zuhaben, eh er die That vollbrachte, welche, er mußt'es wohl, ihn in Kerker und an den Galgen bringenmußte.
Beim Eintritt in seine staubige, ärmliche Woh-nung begegnete ihm die Hausfrau, eine schmutzige,triefäugige Hexe, ein Kind an der welken Brust,das während es den Nährquell seines vergiftetenDaseyns schlürfte, auf dem verzerrten, aufgedunsenenGeslchtchen bereits die verpestete Natur der Mutter-milch andentete, aus welcher cs im nämlichen Au-genblick den Unterhalt des Lebens und den Keim desTodes sog. Das Weib hielt ihn im engen Gangauf, um ihm zu sage», daß heute ein Herr nach ihmgefragt, einen Brief in seiner Stube zurückgelassen,und dessen ungesäumte Ueberlieferung anempfohlenhabe. Der Besuch hatte jedoch seinen Namen nichtgenannt, obgleich die Berichterstatterin, durch dessenHaltung und Anzug neugierig gemacht, ausdrücklichdarnach gefragt hatte.
Wenig durch ein Ereigniß angeregt, das derWirthin von nicht geringem Belang schien, stießWolf die Frau auf die Seite, eilte die gebrechlicheStiege zu seiner Kammer hinauf, ohne auf dieSchmähreden zu achten, die ihm nachgernfen wur-den. Er setzte sich auf das Ende seines Bettes, be-deckte das Gesicht mit beiden Händen und überließsich der Fluth streitender Empfindungen, die auf ihneindrangen.