Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

15

GcfühlSrcizbarkcit und Sehnsucht übersah, über die sicgleichsam wcgschoß. Sie konnte sich zur Dankbarkeitgegen Gott gestimmt fühlen für all die Vorthcilc^ welcheihr Stand und ihr Rcichthnm ihr boten; sic konntedie Rosen in ihrem Bereich brechen, ohne nach denAmaranthcn Elysiums zu seufzen.

Wenn die Vornehmen mehr Versuchungen habenals die Menschen der Mittlern Stände, und wenn ihrSinn für Genuß leichter zu einer krankhaften Gefühl-losigkeit übersättigt wird, so haben sic wenigstens auch,Wenn sic anders die Ucbcrsättigung überleben, überweit mehr Hülfsqnellen zu gebieten. Es ist ein gutThcil Wahrheit in dem alten Spruch, so sehr er denenmißfallen mag, welche an Liebe in einer Hütte denken:Am besten bereut sich's in einem Wagen mit Sechsen!"Wenn unter den Eupatridcn, den Hochgebornen weni-ger Liebe in der Ehe, weniger ruhiges Glück in derHäuslichkeit sich findet, so sind sie auch weniger aneinander gekettet Mann und Frau haben mehr Un-abhängigkeit und Beschäftigung und Trost vonAußen steht ihnen viel leichter zu Gebot! Frau vonSt. Vcntadour wurde, als sic sich von den Nichtig-keiten der bloßen Gesellschaft zurückzog von wim-melnden Ballsälcn und von dem leeren Geplauder unddem hohlen Lächeln unersprießlicher Bekanntschaft, em-pfänglicher für die Genüsse, die ihr feiner und gebil-deter Geist aus den Quellen der Kunst und des Ta-lents und aus der Mitthcilung der Freundschaft schöpfte.Sic versammelte um sich die gebildetsten Geister ihrer