Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
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wie stcutc sich jetzt insgeheim Valerie, daß aufdieser Freundschaft kein Flecken der Schaam haftete!und daß sic jene Tröstungen für eine Häuslichkeitohne Liebe, welche ihr zuletzt zu einer freudigennicht nngchciligtcn Ergebung verhelfen, nicht verwirkthatte Tröstungen, die nur in gutem Gewissen undim Stolz zu finden sind!

Herr von St. Vcntadour hatte sich nicht verän-dert, außer daß seine Nase länger war und er jetztstatt seines eigenen straffen Haars eine wohlgelocktcPcrriickc trug. Aber wie dicß nun kommen mochtevielleicht durch die bloße Zauberkraft der Gewohnheit

er war in Valeriens Augen leidlicher geworden;daS lange Zusammenleben hatte sic mit seinen Schwächen,Mängeln und Fehlern ausgcsöhnt; und die Vergleichungmit Ändern lehrte sic seine guten Eigenschaften besserwürdigen, so wie er sie nun einmal hatte Groß-muth, Gutherzigkeit, Aufgeräumtheit und eine-unbe-grenzte Gefälligkeit gegen sic. Gatte und Gattin habenso manche gemeinsame Interessen, daß wenn sic sichdurch die Schwellungen und Senkungen des Lebenseine hinreichende Zeit mit einander hingcschlcppt haben,die Fessel, die am Anfang erbitterte und wehe that,oft bequem und vertraut wird; und wenn nicht das Tem-perament des Einen unerträglich ist, das, was anfangsein lästiges Joch war, nun ein geselliges Band wird.Und im Ucbrigcn konnte Valerie jetzt, nachdem Ge-fühl und Phantasie sich ernüchtert, an tausend DingenWohlgefallen finden, welche sic einst in ihrer krankhaften